NINAS ERFOLGSGESCHICHTE

Mitten in der Pandemie ein Mentoring für eine geflüchtete Familie starten – geht das? Ist das eine gute Idee? Etwas über ein halbes Jahr nachdem ich dieses Abenteuer gestartet habe kann ich ganz klar sagen: ja, sehr sogar!

Nachdem unser erstes Kennenlernen per Videoanruf dank wackeliger Internetverbindung und tobender Kinder im Hintergrund etwas schwierig war, haben wir uns recht spontan zum Spaziergang im Planten un‘ Blomen verabredet. Mein Mentee brachte seine älteste Tochter und seinen Cousin mit, der beim Übersetzen half. Ich war ein bisschen nervös – würden wir uns verstehen? Was für Erwartungen hatte die Familie? Welche Herausforderungen würden auf uns zu kommen? Zwischen Wintersonne und Schnee, Tigrinja und Deutsch, frostigen Nasen und freundlichen Gesprächen waren diese Sorgen aber schnell vergessen. Die drei waren mir auf Anhieb sehr sympathisch!

Herausforderungen gab es trotzdem reichlich – die erste direkt am Ende dieses Treffens. Mein Mentee brauchte dringend Hilfe beim Ausfüllen einiger Formulare zur anstehenden Geburt seines vierten Kindes. Für eine Familie, die ich kaum länger als eine Stunde kannte, Geburtsunterlagen auf einer Parkbank im Schnee auszufüllen, war für mich auch eine Situation, die ich so nicht erwartet hatte. Um es zukünftig etwas leichter zu haben, habe ich die Familie für das folgende Wochenende zu Kaffee und Keksen zu mir eingeladen. Daraus ist ein wöchentliches Treffen geworden, auf das ich mich immer sehr freue.

Kurze Zeit später ist die jüngste Tochter gesund zur Welt gekommen und natürlich hatte damit der Papierkram kein Ende. Ich habe nicht schlecht gestaunt, was man alles beantragen, bedenken, ausfüllen und melden muss. Als wir nach einigen Wochen das gröbste erledigt hatten, bedankte sich mein Mentee herzlich bei mir: befreundete Familien von ihnen hätten über ein Jahr gebraucht, um all diese Schritte zu erledigen, die wir nun gemeinsam in wenigen Wochen geschafft haben. Für mich ist dieser Umgang miteinander die wichtigste Säule unseres Mentorings. Der gegenseitige Respekt und Wertschätzung, das Einhalten von Abmachungen und das aufrichtige Interesse zwischen uns machen das Mentoring zu einer großartigen Erfahrung für mich. Ich habe die Familie sehr ins Herz geschlossen.

Ein absolutes Highlight war, dass ich zur Taufe des Säuglings eingeladen worden bin und nicht nur richtig lecker eritreisch bekocht wurde, sondern auch bei Sonnenschein und Musik die ganze Familie kennen lernen durfte. Seitdem sehe ich auch die anderen Familienmitglieder regelmäßig und fühle mich herzlich aufgenommen.

Der größte Erfolg des Mentorings ist wohl, dass wir eine Wohnung für die Familie finden konnten. Bisher haben alle sechs in zwei kleinen Zimmern in einer Unterkunft gewohnt und dort auch die langen Monate des Homeschoolings für die drei Schulkinder bestritten. Dank des Amts für Wohnungsnotfälle, mit denen ich einen freundlichen Kontakt herstellen konnte, kann die Familie nun eine Wohnung beziehen, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer haben kann und die sogar in der Nähe ihres gewohnten Umfelds ist. Ich freue mich riesig für die Familie und helfe nun tatkräftig mit, für den Einzug alles in die Wege zu leiten.

Wenn es wieder ein bisschen ruhiger wird, möchte ich besonders den Kindern noch mehr helfen, gut anzukommen und sich als Hamburgerinnen und Hamburger zu fühlen. Das nächste Etappenziel lautet dann, einen Fußballverein für die drei Großen zu finden. Ein Herzenswunsch für die fröhlichen Wirbelwinde!