– Alisha schreibt über Inge und Nils –

Hilfebedürftige gibt es in Hamburg viele. Menschen, die helfen wollen auch. Doch wie bringen wir sie zusammen? Fragt man Inge & Nils, bekommt man einen Kaffee und den ganz unromantisch-norddeutschen Blick darauf, was passiert, wenn man jemanden auf der Flucht ein bisschen seiner Ruhe schenkt. Die gute Nachricht: Es ist ganz einfach.

Ich komme mit dem Rad und gehe mit dem merkwürdigen Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Beim Eintreten in die Hamburger Wohnung samt Gemeinschaftsgarten mit Blick auf den Kanal, fällt es schwer nicht zu denken „Die haben alles, das ganze Paket.“ Körperlich und geistig fit, eine schöne, ruhig gelegene Wohnung, ein Fleckchen Grün, Kinder und Enkelkinder, dazu die nordische Gelassenheit. „Was will man mehr?“, fragt man sich, am frisch aufgebrühten Kaffee nippend. Helfen!

Und zwar nicht mit Fanfaren und Floskeln, sonder ganz unglamourös. Mit beiden Händen und vollem Herzen. „Das hat sich einfach so entwickelt“, sagt Inge schulterzuckend, als erkläre das irgendetwas. Und das tut es auch, ich brauche nur noch einen Moment, bis ich es verstehe.

ES GIBT SIE NOCH: SCHLICHTE ZUFRIEDENHEIT

Das Ehepaar – sie Arzthelferin im Ruhestand, er ehemals Pastor – empfangen mich mit offenen Armen und freiem Kopf. Ich darf Platz nehmen, zu Schweizer Schokolade und Geschichten von nebenan. Kaum Distanz, keine Vorurteile, hier hat Schnacken nichts mit Halbwahrheiten zu tun. Die beiden lachen viel, sind unbefangen und unterhaltsam. Wenn Inges Augen leuchten, beginnt Nils zu schmunzeln. Schön, dass es sie noch gibt: Schlichte Zufriedenheit. Ich bin ihr lange nicht mehr so nah gekommen. Willkommen in der heilen Welt.

Sie kommt in leicht bekömmlicher Form von zwei schmucken Mitachtzigern, die noch an das Gute glauben. Schon seit die beiden sich kennen, eben ewig, engagieren sie sich für allerhand. Doch wenn Nils davon anfangen will, winkt Inge ab. Das seien alte Kamellen und tue hier nichts zur Sache. Die zwei möchten ganz offensichtlich keinen Orden für ihr Engagement. Gut, dass ich nur offene Ohren mitgebracht habe.

SIE SAGTE KEIN WORT, KEIN EINZIGES

Seit über fünf Jahren ist das Duo nun schon fester Bestandteil vom HAMBURGER*MIT HERZ e.V. Erst als improvisierende Deutschlehrer, später – bis heute – als Mentoren einer geflüchteten Familie aus Eritrea. Wenn sie ihre Erfahrungen teilen, ist es, als würde man hinter einen Vorhang lugen. Diesem Vorhang, der einem oft so hinderlich den breiten Horizont verwehrt, der Unterschied zwischen Hörensagen und Sehen. Die beiden sehen. Sie sehen wie Mohamed von Kitatür zu Kitatür pilgert, um seinen Kindern einen Platz zum Bleiben zu finden. Dass die Eltern niemals müde werden, die Sprache zu lernen, wie wahnwitzig die Fragen des B1-Testes auch sein mögen. Sie sehen, wie der Gang zum Arzt, das Ausfüllen einer Mieterauskunft, das Dechiffrieren der Amtspost zu einem Staatsakt wird, wenn man alleine in der Fremde steht. Wie doch dotierte Wissenschaftler 18-seitige Gutachten erstellen, um wirklich ganz sicher zu gehen, dass die Familie eritreisch spricht. Sie sehen, wie die 26-jährige Jameila mit einem Kind an jeder Hand, in einem Land, dessen Sprache sie oft nicht versteht und Regeln sie nicht kennt, versucht eine Wohnung zu finden. Eine Wohnung. In Hamburg. Auf der Flucht. Geduld ist hier die Währung, doch davon scheinen alle vier zum Glück reichlich im Gepäck zu haben.

SIE ESSEN INJERA UND SINGEN ZUSAMMEN „OH TANNENBAUM“

 „Sie sagte kein Wort“, erinnert sich Inge. Kein einziges Wort, als Jemeila sich eines Tages zu Inge an den Tisch im Gemeindesaal setzte, um Deutsch zu lernen. „Doch sie kam wieder. An unseren Tisch. Und ich sah sie an und wusste: Diese junge Frau lässt du jetzt mal nicht in Ruhe. Die soll sich hier auch gerade machen dürfen.“ Denn Jameila machte sich ganz klein. Klein und unsichtbar, in einem Land, dass sich bis heute uneins zeigt, wer darin warum willkommen ist. Hier scheint guter Rat oft teuer. Doch findet man ihn kostenlos, kommt er wie hier von Herzen.
Der Rest habe sich dann ganz organisch entwickelt, sagen die beiden und sprechen über die letzten drei Jahren als wäre es unser aller Alltag. Sie feiern gemeinsam Weihnachten, singen laut „Oh Tannenbaum“, essen Injera und teilen Sorgen und Kulturen, an Sonnentage sogar mit Planschbecken im Garten. Wie das kam, frage ich Inge und wundere mich über die Beiläufigkeit ihrer Worte. „Ich sagte zu Jameila, wenn sie Lust habe, könnten sie uns mal besuchen kommen. Und sie hatten Lust.“

NILS KENNT DAS GEFÜHL, ALS NEUER IN DER FREMDE ZU STEHEN

Aus dem unverbindlichen Angebot ist inzwischen eine Freundschaft gewachsen. Für Nils hat das im Grunde wenig mit Helfen zu tun, sondern illustriert vielmehr den Sinn des Lebens. Zugegeben, er hat einen kleinen Platzvorteil, denn er ist selbst zweimal geflüchtet. Und obgleich er die Sprache konnte, kennt er das Gefühl sehr gut, als Neuer in der Fremde zu stehen.

„Das kann man nicht so lassen, da muss man helfen“, sagt er mit einem ernsten Schimmer in den Augen, denn das, was folgt, ist wichtig: „Jeder erinnert sich selbst an Situationen, wo Einzelne einem geholfen haben. Das sind solche Inseln im Leben, an die man sich gerne erinnert und die auch ganz wichtig gewesen sind.“ Wichtig, um weiterzukommen. Wichtig, um endlich anzukommen. Und in der Einfachheit seiner Worte schlummert wie immer ihre Essenz. 

EGAL, WO MAN NEU ANFÄNGT, ES WARTEN DIE IMMER GLEICHEN PROBLEME

Wir alle kennen verschlossene Türen und schwierige Momente, suchen Wohnungen und Kitaplätze, Jobs und Freunde, Anschluss und Hilfe. Keiner kommt hier alleine klar. Flüchtlinge sind da weder eine Ausnahme noch ein besonders schwerer Fall. Denn egal wo man neu anfängt, gezwungen oder gewollt, warten die immer gleichen Probleme – oft banaler Natur und verhältnismäßig leicht zu lösen. Wirklich schwer wiegen sie es erst ohne Hilfe. „Nicht: Da sind wir und da seid ihr. Sondern symbiotisch. So wie es nun mal in der Natur natürlich ist. Der eine lebt mit dem anderen zusammen, die tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig. Das ist doch einfach nur sinnvoll“, sagt Nils und ich nicke, weil ich endlich verstanden habe, was die Zwei längst wissen: Man kann schon helfen, bevor man alle Antwort hat. Der Rest ergibt sich. Das klingt erst zu einfach, dann ziemlich schön und am Ende irgendwie nach „Wo soll ich mit anpacken?“ Und auch die Antwort darauf ist ganz leicht: Direkt ums Eck, z.B. im Mentorenprogamm des HAMBURGER*MIT HERZ e.V. Das ginge auch mit weniger Zeit und Lebenserfahrung, wird mir mit Ehrenwort versprochen. „Jeder hat seine eigene Geschichte und kann etwas Gutes dazu beitragen“, lächelt Inge. „Man muss ja nur mal den Hinter hochkriegen.“ Nils lacht wissend, ganz ohne erhobenen Zeigerfinger, versteht sich.

JEDER HAT SEINE EIGENE GESCHICHTE UND KANN ETWAS GUTES DAZU BEITRAGEN

Wo wollen wir also hin? Weiter. Eine Wohnung für die vier finden, sie einrichten, Mohamed beim B1-Test unterstützen, um damit die formale Voraussetzung für den Ausbildungsplatz in den Händen halten. Die praktische hatte er schon immer im Gepäck.

„Endlich zu Ruhe kommen“, schließt Inge. Der Familie einen Ort finden, an dem sie menschenwürdig leben können, mit einem eigenen Klo und einer Chance auf Zukunft. „Wenn das endlich so weit wäre, könnte man mal loslassen und dann einfach nur da sein“, fügt sie so bedächtig hinzu, das wir wirklich kurz innehalten.

„Dann können sie uns endlich mal entspannt besuchen“, ruft Nils in die Ruhe und wir lachen so herzlich, das ich mit einem Schmunzeln gehe. Und als ich mich, Zuhause angekommen, noch immer über die Leichtigkeit dieser tollen Begegnung wundere, fällt mir plötzlich ein, was ich wohl längst vergessen hatte: Es kann so einfach sein.

Seit wann bist du Mentor für den Hamburger mit Herz e.V.?

Vor ziemlich gut einem Jahr, im November 2017, haben Kahsay und ich unseren Mentoren-Vertrag unterschrieben.

Wie bist du dazu gekommen? Was waren deine Beweggründe dafür Mentor zu werden?

Wir waren auf der Demo „Hamburg zeigt Haltung“, mit der wir ein Gegengewicht gegen diese Krawalle beim G20-Gipfel zeigen wollten. Dort hatte der Verein „Hamburger mit Herz“ einen Stand, auf dem sie ihre Arbeit vorstellten. Mir hat das eingeleuchtet, dass man Hilfe gut brauchen kann, wenn man sich in unserer Gesellschaft zurechtfinden muss.

Wer ist dein Mentee? Was ist das Besondere an ihm, was macht ihn aus? Welche Gemeinsamkeiten habt ihr?

Kahsay ist etwas über 40. Er hat keine Frau und keine Kinder, wohnt alleine – noch immer in einer Geflüchteten-Unterkunft in Langenhorn. In Eritrea war er Gabelstaplerfahrer und hat hier mit Erfolg eine Ausbildung zum Transport-Logistiker gemacht. Seit März arbeitet er im Schichtdienst im Hafen.
Ich finde seine Zeichnungen sehr beeindruckend. Er macht oft sehr detailgenaue Sketches z.B. von den Geräten und Maschinen, mit denen er im Hafen hantieren muss. Ich würde so gerne eine kleine Ausstellung mit seinen Bildern organisieren, aber leider fehlt mir der Ansatz, wie ich das machen kann.

Wie gestalten sich eure Treffen? Was unternehmt ihr gerne zusammen? Kannst du vielleicht sogar von einem Erlebnis kurz erzählen?

Meistens treffen wir uns an den Montagen in der St. Markus-Gemeinde. Da finden die Sprachkurse von Hamburger mit Herz statt, an denen Kahsay fleißig teilnimmt, um sein Deutsch zu verbessern. Ich komme dann für eine halbe oder eine Stunde dazu und wir besprechen, was so anliegt.

Wobei kannst du ihn unterstützen? Was hat sich durch euer Mentoring schon für ihn positiv verändert?

Zurzeit Moment versuchen wir ihn aus dem Geflüchtetenheim heraus zu bekommen. Aber das ist nicht einfach. Ich glaube, dass ich hilfreich für ihn bin, wenn es um Briefe von den Behörden geht und solchen Sachen. Ich bin auch mit den Betreuern von Fördern und Wohnen im Geflüchtetenheim im Kontakt. Wenn sie Fragen oder Wünsche an ihn haben, kann ich vermitteln. Meine Erfahrungen mit den Leuten sind auch sehr positiv. Ich habe schon den Eindruck, dass sie sich um ihre Schützlinge kümmern und sie unterstützen, so gut sie können.

Was kannst du gleichzeitig von ihm lernen? Was ist der „Gewinn“ für dich?

Vor allem habe ich für mich das Gefühl etwas nützliches zu tun.

Hast du Wünsche für deinen Mentee? Was würdest du ihm gerne auf den Weg geben?

Ich glaube, er möchte gerne seinen Bruder mit dessen Familie nachholen. Es wäre toll, wenn das klappen würde. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass er noch etwas besser Deutsch lernen müsste und sich endlich mit dem PC anfreunden 😉

Möchtest du sonst noch etwas zum Mentorenprogramm im Allgemeinen als Feedback geben?

Ich finde das Programm eine tolle Sache und bin von den Leuten bei „Hamburger mit Herz“ begeistert. Sie haben immer etwas „auf der Pfanne“ und neue Ideen von uns Mentoren werden aufgenommen und weiterverarbeitet. Die gemeinsamen Feste bringen uns alle zusammen. Hat schon was von „großer Familie“.

 

von Valentin Asensio

Vielleicht erinnern Sie sich noch, Ende April war die Hamburger Innenstadt vom Marathon-Fieber befallen. Wir von HAMBURGER*MIT HERZ waren ebenfalls infiziert und haben gleich drei Staffeln mit insgesamt zwölf Läufern an den Start gebracht, die bei herrlichstem Sonnenschein gemeinsam eine tolle sportliche Leistung erbracht haben.
Es gab insgesamt vier Staffelabschnitte von 16,3km, 11,2km 5,4km und 9,4km. Das Wunderbare: Alle Läufer von HAMBURGER*MIT HERZ haben ihren Streckenabschnitt mit Bravour gemeistert! Die Staffelläufer kamen alle aus unseren Sprachlotsen-  bzw. unserem Mentoring-Projekt. Beim Lauf haben die Jungs wirklich alles gegeben und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alle drei Staffeln haben es in die Top 100 der Staffelläufer geschafft.

Platz: 23 (HAMBURGER*MIT HERZ e.V. II)
Platz: 38 (HAMBURGER*MIT HERZ e.V. I)
Platz: 100 (HAMBURGER*MIT HERZ e.V. III)

Wir als Verein sind natürlich besonders stolz und freuen uns, mit allen SchülerInnen und Mentees zusammen.
Ein riesiges Lob und Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer: Ohne eure Unterstützung am Marathontag hätten wir gar nicht erst antreten können. Danke für das frühe Aufstehen, die Spitzen-Hilfe und euer Mitfiebern. Ihr seid klasse!

Ich freue mich schon total auf nächstes Jahr!

Es war im April 2014. Die kleine Queenita aus dem indonesischen Lomboek ist damals 4 Jahre alt und leidet seit ihrer Geburt an einem PDA – Persistierender Ductus Arteriosus – ein Loch zwischen Aorta und Lungenarterie.

Die Schweizerin Daniela Rodriguez Bonelli lernt die Kleine in einem Urlaub kennen und erfährt von ihrem Schicksal. Für die Kosten einer lebensnotwendige OP wendet sie sich an “Ein Herz für Kinder e.V.”, “Zuversicht für Kinder e.V.” und zuletzt an uns,  “HAMBURGER*MIT HERZ e.V.“

Wir HAMBURGER*MIT HERZ haben damals gerade unseren ersten großen Online-Zeitungsartikel veröffentlicht, der uns genau den Betrag auf das Spendenkonto gespült hat, den Daniela noch braucht. Was für ein lebensrettender Zufall. Wir überweisen sofort.

Im April 2014 findet die langersehnte Operation am Herzen der kleinen Queenie statt. Alle atmen auf, als Daniela auf ihrer eigens gegründeten Facebook-Seite schreibt:

„Liebe Freunde,

soeben habe ich von Queenitas Ärztin erfahren, dass die Operation gut und wie geplant verlaufen ist. Queenitas Zustand ist stabil und sie wurde bereits extubiert. Wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, wird sie heute von der Intensivstation auf die Überwachungsstation verlegt.

Ich bin einfach überglücklich!!! Für mich sind das die besten Neuigkeiten des Tages, der Woche, des Monats – ja des ganzen Jahres!

Jetzt heißt es auch weiterhin Daumen drücken!

Daniela“

Ein großes Drama mit Happy End.

Heute ist Queenie acht Jahre alt. Die Vereinsmitglieder, die sich an den Fall „Queenita“ erinnern, denken liebevoll an das kleine Mädchen, das leider bisher noch keiner von uns kennenlernen konnte. Ab und zu fragen wir uns, wie es ihr wohl heute gehen mag.

Zu Daniela Rodrigues Bonelli haben wir bis heute Kontakt und Daniela wiederrum schreibt weithin Emails mit der indonesischen Familie.

Nina Oberthür ist 2015 zum HAMBURGER*MIT HERZ e.V. gekommen. Als Initiatorin des Integrationsprojektes hier in Hamburg ist sie eine wichtige Säule des Vereins geworden. Doch sie stieß erst ein Jahr nach der Spendenaktion für Queenita zu uns und so verwundert es wenig, dass Nina in ihrem privaten Urlaub auf Lomboek keinen Besuch bei der kleinen Kämpferin einplante.

Als sie Ihre Freunde auf Facebook von ihrem Urlaub informierte war sie bereits vor Ort. Sofort erhielt sie Nachrichten der „alten“ Vereinsmitglieder mit der Bitte, die kleine Queentita zu besuchen. Nina und ihr Partner Dennis (ebenfalls seit 2015 im Verein HAMBURGER*MIT HERZ e.V. aktiv) machten sich sofort auf den Weg und mit einer Gänsehaut konnte der Verein in Vertretung endlich das zuckersüße Mädchen kennenlernen.

Die Bilder von ihr zu sehen, gesund und fröhlich, hat uns alle sehr gerührt. So beschreibt uns Nina ihr Treffen mit Queenita:

„Queenie geht`s gut. Einen Checkup in Jakartas Krankenhaus konnte sich die Familie nicht leisten, aber sie waren in Mataram beim Arzt und dieser meinte, dass alles okay ist. Sie geht jetzt in die elementary school und ist sehr glücklich. Der Marktstand der Familie existiert nicht mehr. Die Regierung hat den kompletten Markt räumen lassen. Sie haben einen kleinen Laden bezogen, wo sie weiterhin Massagen, Tücher und ähnliches anbieten. Wir würden das wohl Kiosk nennen. Die Eltern sind sehr, sehr liebevoll mit ihren beiden Kindern und echt glücklich und dankbar. Die Narben der OP sieht man fast gar nicht mehr. (…) Die Familie hat sich mega gefreut. Es war wirklich schön.“

Die Narben der OP sind hell und verblasst, für unsere Quennie wird es fast so sein, als wäre nichts gewesen. Sie wird es, auf Grund ihres Alters, wohl irgendwann fast vergessen und genau das wünschen wir ihr auch. Wie schön, dass wir ein kleiner Teil ihres Lebens und ihrer Geschichte sein durften.

Alles Gute, starke, kleine Queenita!

Am 16. Juli haben wir im Herzen Hamburgs unsere neuen Räume – die Herzkammer – eröffnet. Für alle, die nicht dabeisein konnten oder die, die das Fest noch einmal nachklingen lassen möchten: Hier gibt es ein paar Impressionen von den Feierlichkeiten.

Nach einleitenden Worten unseres Vereinsvorstandes Gorden Isler und Beate Ngee hielt Dorothee Martin vom Hamburger Senat eine kleine Ansprache. Während das Eröffnungsband für die Herzkammer durchgeschnitten wurde, spielte die Hamburger Band „Albers Ahoi“ klassische Hamburger Lieder. Die Hamburger Klassiker wurden wunderbar von Mulugeta ergänzt, der auf der Kar, einem traditionellen Seiteninstrument aus Eritrea, gespielt hat.

Auch das kulinarische Angebot von Kuchen, Grillwürsten und eritreischen Kaffeezeremonie fand ganz im Sinne des Mottos „Heimat“ statt, der alten in Eritrea und der neuen nun in Deutschland.

Die Fotoausstellung der Fotografin Elena Zaucke kam sehr gut an. Sie hat einige der Teilnehmer porträtiert und ihrer Wünsche, Hoffnungen und Ziele an das neue Leben in Hamburg gezeigt. (Wer die Eröffnung verpasst hat: Die Bilder sind noch bis Anfang September in der Herzkammer zu sehen.)

In Deutschland wird ja allgemein gerne über das Wetter gesprochen und leider wurde unserer Einweihungsfeier immer wieder von kleinen Schauern heimgesucht. Dennoch ließen sich viele Besucher nicht davon abhalten ihre Bratwurst oder einen eritreischen Kaffee zu den fetzigen Klängen von „Albers Ahoi“ zu genießen.

Jetzt geht die Arbeit erst richtig los! Die Herzkammer wird ein Ort der Begegnung, der Ankunft, der Teilhabe, der Integration und der Heimat. Dorothee Martin beschrieb es in ihrer Rede zur Eröffnung sehr schön: Zwei Herzkammern werden von einem starken Muskel umschlossen und bewegt. Die eine Kammer steht für sie für die Menschen in Hamburg und die andere Kammer für die Neuhamburger*innen. Unsere neue Herzkammer für den Ort, den Willen und das Engagement, diese wichtige integrative Arbeit gemeinsam zu leisten.

Wir werden unsere Räumlichkeiten jedoch auch für Ausstellungen, Bildungsprojekte und die Zusammenarbeit mit anderen NGOs selbst nutzen und zur Verfügung stellen. Besuchen Sie uns und halten Sie sich hier auf dem Laufenden. Wir werden euch spannende Themen und Projekte anbieten.

P.S.: Die Fotoausstellung von Elena Zaucke ist noch bis Anfang September in der Herzkammer zu sehen. Wochentags zwischen 15 und 20 Uhr ist immer jemand von uns da. Gern vorbeikommen!

Mentor & Mentee

Miki (27, aus Eritrea) ist bereits seit zwei Jahren in Deutschland und besucht regelmäßig den Deutschunterricht von HAMBURGER*MIT HERZ. Dort lernte er vor einiger Zeit den Hamburger Lennart kennen. Nach einer anfänglichen Schnupperphase bemerkten beide, dass sie viele Interessen teilten und auch andere Gemeinsamkeiten hatten. „Wir sind sogar gleichgroß“, bemerkte Miki. Und so wurde Lennart Mikis Mentor.

Zurzeit studiert Lennart Politikwissenschaften, dennoch treffen sich Mentor und Mentee fast wöchentlich – zum Kaffeetrinken oder auch mal auf ein Bier. Am wichtigsten ist es für Miki, deutsch zu sprechen, da Übung ja bekanntlich den Meister macht. Zugute kommt den beiden jungen Männern auch die geografische Nähe, Lennarts Stadtteil Eimsbüttel ist nicht weit entfernt von Eppendorf, wo Miki mittlerweile lebt.

Seit Februar macht Miki nun eine Vorberatung zur Ausbildung (EQM) zum KFZ-Mechatroniker. Auch hierbei ergeben sich oft gemeinsame Gesprächsthemen, da Lennart bereits eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker abgeschlossen hat.

Die Unterstützung geht noch weiter: Gemeinsam machen die beiden Behördengänge oder gehen zu Terminen im Jobcenter. Lennart hat Miki auch bei Bewerbungen und der Wohnungssuche geholfen. Hier verfügt ein Alt-Hamburger wie der 28-jährige Lennart natürlich über einen enormen Erfahrungsschatz, von dem Neu-Hamburger Miki nur profitieren kann. Und während die beiden viel zusammengesessen, gelacht und sich unterhalten haben, vielleicht über einer Tasse Kaffee oder im Flur irgendeiner Behörde – sind sie klammheimlich Freunde geworden.

Von Valentin Asensio

 

Wenn auch Sie gerne Mentor/in eines Neu-Hamburgers werden wollen oder Fragen dazu haben, melden Sie sich bitte hier: Mentoring@hamburger-mit-herz.de

 

Aufgezeichnet von Meike Krämer

Peter Bankowski, 62, lebt seit über 30 Jahren in Hamburg. Der gebürtige Niedersachse ist Osteopath mit eigener Praxis in der Hansestadt. Seit drei Jahren ist er Pate des äthiopischen Jungen Armani aus Mekerie. Hier ist seine Geschichte.

„Ein Freund von mir wurde 2014 gefragt, ob er über die nächste Reise des Vereins nach Äthiopien einen Film machen könnte. Ich war bei der Besprechung dabei und habe ganz spontan gesagt, dass ich wahnsinnig gerne mitfahren würde. Mich hat sehr interessiert, was vor Ort gemacht und wie genau geholfen wird. Und so haben wir es gemacht. Das war quasi eine Reise ins Mittelalter, so ursprünglich habe ich mir Äthiopien fast nicht vorgestellt. Die Reise war ein wirkliches Abenteuer und mir ist bewusst geworden, wie schwer es ist, das Richtige zu tun.

Man überweist ja schnell mal Geld für die Afrikahilfe, meistens werden davon Brunnen gebaut. Aber viele Brunnen zu bauen, ist oft nicht das Entscheidende. Manchmal graben sie sich nämlich gegenseitig das Wasser ab. Das Tolle bei HAMBURGER*MIT HERZ ist, dass die Menschen vor Ort in solche Problemlösungen mit einbezogen werden. Sie werden nach ihrer Meinung gefragt und entscheiden mit – und man stülpt ihnen nicht einfach von außen etwas über. Das war für mich ganz entscheidend.

Das Allerwichtigste aber war: Wenn man helfen will, dann muss man bei den Kindern anfangen. Damit, ihnen Bildung zu geben, sodass sie aus sich heraus etwas an ihrer Situation ändern können. Ich glaube, das ist die einzige Chance, die sie haben. Und andererseits habe ich gedacht: Hoffentlich werden nicht zu schnell Bedürfnisse geweckt, die wir aus unserem Leben kennen, wo so viel Geld für dummes Zeug ausgegeben wird. Ein paar Stunden entfernt von Mekerie sind beispielsweise Orte, die Strom haben. Da ist das Leben ganz anders, es läuft zum Beispiel den ganzen Tag der Fernseher – das gibt es in Mekerie nicht.

Mir wurde dadurch klar, dass jeder Akt der Hilfe Dinge mit sich bringt, die man hinterfragen sollte. Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei eins der schwierigsten Themen überhaupt: Was brauchen die Kinder wirklich, um glücklich zu sein? Klar ist, sie sollten nicht hungern! Und sie müssen, wenn sie erwachsen sind, Chancen bekommen, Aussicht auf Arbeit haben.

Dass ich auf dieser Reise Pate eines Kindes werden würde, war nicht geplant. Aber es gab einen Junge, der mich, ich weiß nicht warum, ins Herz geschlossen hat. Er war immer an meiner Seite und versuchte, meine Hand zu nehmen – ganz süß. Er war das schmutzigste Kind von allen, seine Hose hatte die meisten Löcher, seine Nase lief ständig, aber er hatte ein sehr süßes Lächeln. Ich bin dann häufiger mit ihm zu einer Wasserpumpe gelaufen und habe ihm gezeigt, wie man sich wäscht. Ich glaube, das fand er toll.

Dann sind wir irgendwann zum Schneider gegangen. Auch das ist wichtig, dass man nichts aus Deutschland mitbringt, was es auch in Mekerie gibt. Möglichst vor Ort kaufen, damit die Menschen selbst etwas produzieren oder verkaufen können. Ich habe ihm also eine neue Schuluniform gekauft und da standen plötzlich 30 weitere Kinder (lacht). Ich habe dann für alle Kinder, die barfuß liefen, Schuhe gekauft. Die Eltern haben das Geld dafür nicht, aber für jemanden, der aus Deutschland kommt, kostet das fast nichts. Das war keine große Sache, insbesondere verglichen damit, dass andere eine Schule in Mekerie aufgebaut haben und andere großartige Dinge vor Ort geleistet haben.

Aber mir war nach der Reise klar: Es ist ein tolles Gefühl, mit für uns so wenig Geld einem Kind die Schulbildung zu ermöglichen. Aus diesem Gefühl heraus ist dann auch die Patenschaft mit meinem Patenkind Armani entstanden. Seitdem schreiben wir uns etwa ein- bis zweimal im Jahr Briefe und ich unterstütze ihn jeden Monat finanziell. Bei HAMBURGER*MIT HERZ weiß ich durch meine Reise genau, dass alle mit unheimlich großem Engagement dabei sind und die Spenden direkt in Mekerie ankommen.“

Die Schule in Mekerie und die Dorfbewohner brauchen Licht! Mekerie und die umliegenden Dörfer liegen in einem Gebiet, in dem es keine Stromversorgung gibt. Bis jetzt mussten die Kinder bei Kerzenlicht oder mit Petroleumlampen lernen. Hamburger*mit Herz haben Solar-Lampen entwickelt, die in Eigenregie von einem einheimischen Team vor Ort zusammengebaut, verteilt und repariert werden können. Die Lampen dienen nicht nur dazu, die Klassenräume in den Schulen zu beleuchten, sondern auch die privaten Häuser mit Licht zu versorgen. Zudem können mit der Solarlampe auch Handys und Radio-Apparate aufgeladen werden.

SCHENKEN SIE LICHT: Mit einer Spende von € 150.- pro Lampe. Jede Lampe hat eine eigene Seriennummer und wird an eine bestimmte Person oder Familie weitergegeben. Damit haben sie einen Einblick über den Verbleib ihrer Lampe. Auf Wunsch schicken wir Ihnen auch Bilder und Informationen zu Ihrer gespendeten Solarlampe. Sie helfen damit die Infrastruktur aufzubauen und weitere Dörfer und Schulen mit Lampen zu versorgen. Danke!

Hier geht es zur Projektseite mit Spendenformular

Das Helferportrait: Katrin John

Die ehrenamtliche Helferin Katrin John (25) war in diesem Frühjahr ein Teil unserer Delegation nach Mekerie. Lernen Sie die Hamburgerin mit Herz besser kennen:

Wie kamst du zu unserem Verein?

„Im Oktober 2015 habe ich nach einem ehrenamtlichen Projekt gesucht, in das ich mich einbringen kann. Über Nina, unsere Projektleiterin, kam ich zum ersten Planungstreffen für den Deutschunterricht. Ab dann war es ein Selbstläufer.“

…und schon wenige Monate später bist du mit nach Mekerie gefahren? 

„Als sich die Chance geboten hat, mit nach Äthiopien zu kommen, habe ich nicht gezögert. Ich war ultra neugierig auf das Partnerdorf Mekerie. Entwicklungshilfe hat mich generell schon immer interessiert und da konnte ich mit meiner Abenteuerlust nur ja sagen, um mal mit eigenen Augen zu sehen, wo, was, wie und welche Hilfe genau benötigt und eingesetzt wird.“

Was war dein erster Eindruck von Mekerie?

„Der Bus hat mitten auf dem Marktplatz gehalten. Dort war der Viehmarkt gerade in vollem Gange und Menschenmassen drängten sich durch die Rinder, Schafe, Mulis, Ziegen und Hühner auf den Bus zu. Ich war total überwältigt und dachte nur: Wow, das ist Afrika! So viele Menschen! Und alle schauen uns an…“

Was hat dich vor Ort beschäftigt?

„Naja, es ist schon ein Kulturschock, wenn man sieht, unter welchen Bedingungen die Kinder in die Schule gehen. Die Gebäude sind sehr dunkel, weil es Lehmbauten sind. Manchmal gibt es nur die Tür und ein Fenster, durch die Licht in das Klassenzimmer gelangt. Und auf dem Rückweg von der Schule schleppen die Grundschüler Wasserkanister mit 20 Litern auf dem Rücken den Berg hoch nach Hause.“

Was hat dir besonders gut gefallen? 

„Vieles. Mein Highlight war der letzte Abend in Mekerie. Wir saßen zusammen mit einem Teil des Komitees, einigen jungen Männern und ein paar Kindern, die in den benachbarten Hütten wohnten. Es war ein richtig schöner, geselliger Abend und ich habe dort viele amharische Wörter und kurze Sätze gelernt. Es war total gemütlich, lautes Geschnatter und interessante Wortwechsel überall. Und immer wenn ich etwas komisch nachplapperte, folgte lautes Lachen von den Einheimischen um mich herum.“

Hat es dir eines der Kinder besonders angetan?

„Ein kleines, etwa vierjähriges Mädchen war besonders niedlich. Sie hat mich schon am ersten Tag begrüßt und blieb in der Nähe unserer Hütte. Ab dem zweiten Tag war sie immer bei mir, wenn ich in Mekerie unterwegs war und hat meine Hand genommen. Wegen ihrer kurzen und meiner langen Beine verlangsamte sich zwar so mein Tempo, aber in Äthiopien ist man eh entspannter.“

…was bleibt?

„Es gibt noch eine ganze Menge zu tun in Mekerie, daher lasst uns dranbleiben.

Wenn es heißen würde, dass heute Abend der nächste Flieger geht und ob ich wieder mitkommen möchte, packe ich sofort meinen Rucksack!“

Am 23.11 um 19 Uhr starten unsere ehrenamtlichen Hamburger*mit Herz mit vielen Gästen die erste Infoveranstaltung zu unserem Mentor*innen-Programm:

Es erwartet Euch ein unterhaltsamer Abend mit Hintergrund-Informationen zu unserer Arbeit. Wie wird man Mentor*in und warum machte das alles eine Menge Spaß? Alle sind herzlich eingeladen! Mehr Informationen zu unserer Arbeit gibt es auf dieser Seite.

Am 23.11.2016 ab 19 Uhr:
Valentinskamp 34A (Zugang über die Speckstraße), 20355 Hansestadt Hamburg

Wir freuen uns auf Euch!

Ein Videogruss aus den Unterrichtsräumen bei St.Markus zur Veranstaltung: