Auf meinem Weg nach Mekerie, den ich dieses Mal von Addis Abeba komplett mit dem Auto bewältigte, begleitete mich zum ersten Mal ein alter Bekannter, der Äthiopier Bereket Dessie. Bereket wuchs als Halbwaise, in einem Waisenhaus auf (Hier der Link zu: Einblicke in ein anderes Waisenhaus in Addis Abeba), dem Selam in Addis Abeba. Heute leitet er selbst ein eigenes Projekt in dem Dorf Zew Mariam im Norden Äthiopiens, das mit einem Hilfsverein aus der Schweiz korrespondiert.

Während wir den Staub der Straßen Äthiopiens hinter uns aufwirbelten, erfuhr ich viel von meinem Freund und seinem Projekt. Er ist ein sehr fürsorglicher und hilfsbereiter Mensch. In Zukunft will uns Bereket dabei helfen, besser Kontakt nach Mekerie halten zu können, wenn gerade kein Vertreter von HAMBURGER*MIT HERZ vor Ort sein kann. Bestellungen, Einkäufe, Dolmetschen, das Organisieren von Fahrzeugen, Abläufen oder Bürokratie kann Bereket uns in Teilen abnehmen und so schon Vieles vorbereiten, sodass in Zukunft unsere Reisen sehr viel effizienter und planbarer werden würden. Er ist auch bereit, vor unserer Ankunft nach Mekerie zu reisen, um sicherzustellen, dass die passenden Komitees tagen können, wenn wir dort sind.

Geplant war unsere Tour so, dass wir von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, in die Stadt am Tanasee nach Bahirdar fahren, um dort eine letzte Nacht in einem Hostel verbringen zu können und die Einkäufe abzuholen, die wir in beiden Dörfern brauchen würden, um dann gleich am nächsten Tag nach Mekerie aufzubrechen.

Gesagt, getan! Als wir in Mekerie ankamen, wurden wir, wie immer, mit offenen Armen empfangen. Obwohl ich schon bald 20 Mal bei den Menschen vor Ort war, teils völlig ohne jeden Dolmetscher, und ich von mir behaupten würde, mich phantastisch mit den Einheimischen zu verstehen, ist es doch eine große Hilfe, einen Dolmetscher an seiner Seite zu wissen, dem man vertraut. Bereket war nicht nur ein hilfreicher Dolmetscher, sondern brachte sich mit seinem Know-how auch gewinnbringend in die Ideen zu „unserem“ Dorf mit ein.

Zuerst ist zu sagen, dass ich mit dem Bau der Wasserleitung (von der Quelle bis hinab zum Dorf) und dem dazugehörigen Wassertank/Zwischenbehälter (im Dorf) sehr zufrieden bin. Bei meiner Ankunft wurden gerade noch die letzten Bauarbeiten erledigt und ich konnte die neue Frischwasser-Zapfstelle als einer der ersten ausprobieren. Am Wasserdruck könnten wir noch etwas arbeiten, aber dieses wirklich saubere Wasser aus den Bergen ist ein Segen für die Menschen, die sich bisher aus Brunnen versorgen mussten, in denen es einfach schneller zu Verunreinigungen kommen kann.

Diese Zapfstelle wird vor allem den Mädchen von Mekerie das Leben erleichtern, da sie nun nicht mehr von Brunnen zu Brunnen wandern müssen, um kilometerweit schwere Wasserkanister nach Hause zu tragen. Die Beschaffung des Wassers ist in Äthiopien Frauensache und allzu oft also auch die Sache der älteren Mädchen der Familien.

Ich habe auch noch eine weitere Bekannte getroffen. Missaue geht es viel besser und sie muss jetzt nur noch halbjährig zu medizinischen Kontrollen nach Bahir dar. Für die Fahrten und Medikamente konnte ich ihr aus dem Sozialfond die nötigen Birr übergeben und sie war sehr dankbar dafür.

Ein großes Thema in Mekerie ist der Bau des Grundschulgebäudes, dessen Antrag nun zur Prüfung auf dem Tisch der Zuständigen Behörde in Eesti vorliegt.

Unsere Exkursion führte uns auf dem Weg nach Zew Mariam auch durch Debre Tabor, wo ich Bamlaku traf. Den Jungen, der noch vor einigen Jahren zu erblinden drohte, schließt nun schon im nächsten Jahr seine Ausbildung als Krankenpfleger mit Schwerpunkt auf Psychiatrie ab. Er sieht gut aus. Ich habe mich gefreut ihn zu treffen und zu sehen, was aus einem Menschen werden kann, dem die Hand gereicht wurde. Wäre Bamlaku damals erblindet, würde er heute nur als Bettler leben. In Äthiopien gibt es für blinde Menschen keinerlei Hilfe oder Hilfsmittel.

Zew Mariam ist ein wunderschön gelegenes Dorf im Hochland. Es ist vergleichbar mit Mekerie und ich habe die Zeit dort sehr genossen. Auch dort wurde eine Schule gebaut, eine Solaranlage und es weißt viele Parallelen zu Mekerie auf.

Es gibt viel zu tun in Äthiopien und immer mehr Einheimische machen sich ans Werk, um ihrem Land zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.

Ich empfinde die Äthiopier als sehr besonderen Menschenschlag, sie sind gastfreundlich, hilfsbereit und bereit anzupacken, um eine bessere Zukunft zu schaffen. Sie sind gewohnt in großen Zeiträumen zu denken: bis zur nächsten Regenzeit, bis zur Ernte, aber auch bis zum hohen Alter, wobei kein Staat für sie eine Rente bereithält. Die Familie steht im absoluten Mittelpunkt der Menschen Äthiopiens und eine Reise in dieses wunderschöne Land tut mir deshalb immer wieder gut.

Euer Fredy / Alfred Brendler

#KULTURVERSTÄRKER

– Ein Kultur-Patenschaftsprojekt von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. –

Heute möchten wir Euch unser Tandem Marwa & Christiane aus dem Projekt #Kulturverstärker vorstellen. Seit Ende Januar dieses Jahres sind beide ein fester Bestandteil von #Kulturverstärker und haben bis jetzt schon viel gemeinsam erlebt.
Während Marwa durch ihr großes Interesse an Theater & Schauspiel auf uns aufmerksam wurde, suchte Christiane ein neues Ehrenamt – so kam es zum Match zwischen den beiden.
Ob Ernst Deutsch Theater, Hamburg Dungeon, Chocoversum oder Schauspielhaus – ihre Kulturbesuche sind ein bunter Mix aus allem, was die Hamburger Kulturlandschaft zu bieten hat. Vor allem vom Poetry Slam waren beide hellauf begeistert: „Das war das erste Mal, dass ich da war – ich fand’s echt mega cool!“ schwärmt Marwa vom Poetry Slam. Und auch vom Stück „Ellbogen“ im Schauspielhaus waren beide so fasziniert, dass sie sich im Nachgang noch angeregt über das tiefgründige 1-Personen-Stück austauschen mussten.
Wenn man mit den Beiden spricht, merkt man, dass die Chemie einfach stimmt: „Christiane ist wie eine Oma für mich, die ich nie richtig hatte, da meine eigene im Ausland lebt“, sagt Marwa.
Trotz Schulstress freuen sich beide auf die kommende Zeit und die neuen Erfahrungen, die sie zusammen sammeln werden.

 

Das Projekt #Kulturverstärker wird unterstützt durch „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg“ und ist ein Projekt der BürgerStiftung Hamburg, in Kooperation mit dem Mentor.Ringgefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

#KULTURVERSTÄRKER

– Ein Kultur-Patenschaftsprojekt von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. –

Am 28.01. fand die erste Auftaktveranstaltung unseres Projekts #Kulturverstärker im Rahmen eines Poetry-Slams im Ernst Deutsch Theater statt. Nach einer kleinen Kennenlernrunde der rund 16 #Kulturverstärker-Tandems ging es mit versammelter Mannschaft zur Poetry-Slam-Vorstellung. Thematiken wie Bildung, Gender oder lediglich die pure Poesie der Gedichte und Texte regten zum Lachen an und berührten zur gleichen Zeit.
„Das war mein erster Poetry-Slam. Ich fand’s super und hoffe, dass ich hier noch öfter hinkommen kann“, sagte eine der Jugendlichen.
Alles in allem waren Mentees sowie Mentoren rundum zufrieden und planen schon fleißig ihre zukünftigen Kulturbesuche.

Das Projekt wird unterstützt durch „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg“ und ist ein Projekt der BürgerStiftung Hamburg, in Kooperation mit dem Mentor.Ringgefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Warum engagiere ich mich als Pate?

„… um zu helfen, wo Hilfe am meisten benötigt wird und um sicher zu gehen, dass das Geld auch dort ankommt, wo es benötigt wird.“ (Barbara)

„Ich engagiere mich regelmäßig im sozialen Bereich und begleite HAMBURGER*MIT HERZ e.V. auch privat mit der ein oder anderen Spende. Als mich unser Controller Stefan ansprach, ob wir als Fundsware an einem langfristigen Engagement interessiert sind, war ich sofort bereit, hier die Verantwortung als Unternehmen wahrzunehmen. Ich selbst habe Kinder und bin mir bewusst, dass diese unter deutlich besseren Bedingungen aufwachsen können. Darüber sind sich viele meistens nicht im Klaren – auch nicht darüber, dass bspw. für die Kinder von Namosi grundlegende Dinge des täglichen Lebens eine Besonderheit darstellen – welche für uns selbstverständlich sind. Daher möchten wir als Fundsware GmbH zum einen unseren Teil dazu beitragen, dass sich die Schule von Namosi langfristig entwickeln kann und zum anderen ins Bewusstsein rufen, dass wir nicht alles als selbstverständlich hinnehmen können und dürfen. Mit der Übernahme der Patenschaft für die Studentin Brigid wollen wir einen Beitrag für eine Schulbildung über Grenzen hinweg leisten und freuen uns darauf, die Entwicklung an der Schule begleiten zu dürfen.“ (Torsten)

#KULTURVERSTÄRKER

– Ein Kultur-Patenschaftsprojekt von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. –

Viele Jugendliche kennen Theater und Museen nur von außen. Das wollen wir ändern und neue Perspektiven schaffen.

Das neue Mentoring-Projekt richtet sich an Hamburger Jugendliche, denen es aufgrund von sozialen, familiären oder finanziellen Gründen bisher verwehrt blieb, Kultur zu erleben. Das Projekt vermittelt 1-zu-1-Patenschaften, die den Jugendlichen eine persönliche Begleitung und einen Einstieg ins Hamburger Kulturleben ermöglichen.

Inzwischen haben wir bereits mehr als 20 kulturbegeisterte Mentoren*gefunden. Die Absprachen mit den Schulen laufen und wir hoffen auf die ersten Zusagen von Schülern in den nächsten zwei bis drei Wochen. Wir werden dann in Etappen mit dem Projekt starten, erste Kulturveranstaltungen werden geplant. Die Jugendlichen bekommen einen Einblick in die Vielfalt der Kulturlandschaft, können sich mit ihrem/r Paten/in über die besuchten Veranstaltungen austauschen und neue Interessen entdecken.

WERDEN SIE PATE:

Wir suchen kulturbegeisterte Menschen, die Offenheit und Toleranz gegenüber Jugendlichen mitbringen und im genannten Zeitraum zeitlich flexibel sind. Die Veranstaltungen werden hauptsächlich am Wochenende oder auch abends unter der Woche stattfinden.

Der Eintritt in die Veranstaltungen wird für die Ehrenamtlichen vergünstigt bzw. kostenlos sein.

Nächste Infoveranstaltungen finden statt am: Do. 17.1. 19:00 Uhr und Di. 29.1. 19:00 Uhr in der Herzkammer.

Ihr Ansprechpartner für weitere Infos und Anmeldung: denise.friedrichsen@hamburger-mit-herz.de

Das Projekt wird unterstützt durch „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg“ und ist ein Projekt der BürgerStiftung Hamburg, in Kooperation mit dem Mentor.Ringgefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Noch in diesem Jahr wird es wieder soweit sein und Alfred Brendler kann endlich über den Marktplatz in Mekerie spazieren, mit den Kindern der Dorfbewohner fangen spielen und als Gast bei Mary und ihrer Familie leben. Sie hat er sofort ins Herz geschlossen, als er 2009 das erste Mal in Äthiopien war. Damals installierte er im Rahmen der Entwicklungshilfe eine Photovoltaik-Anlage, ein Jahr später reiste er zusammen mit dem HAMBURGER*MIT HERZ-Vorstand Gorden Isler nach Mekerie. Ganze 17 Mal war der 58-jährige Bayer bisher in dem kleinen Dorf in der Amhara-Region, kennt Sitten und Bräuche der Einwohner und genießt immer wieder die Tage am anderen Ende der Welt.

„Natürlich findet dort ein ganz anderes Leben statt. Es gibt kein Leitungswasser, man kann sich nur mit Brunnenwasser waschen, es gibt keinen Strom, keinen Handyempfang. Und man schläft auf einer Matte mit richtig vielen Flöhen, das ist für manche sehr, sehr bitter. Für mich nicht, weil ich offensichtlich flohresistent bin“, erzählt Alfred Brendler und schmunzelt.

Besonders berührt ist der Berufsschullehrer von den Kindern des Dorfes. Zur Begrüßung singen an die 80 von ihnen auf dem Dorfplatz für ihn ein Ständchen. „Mittlerweile kennen sie mich ja und sie lieben es, wenn ich mit ihnen spiele. Das ist für sie das Highlight, wenn ich dann so tue, als würde ich sie fangen: Unser gemeinsames Ritual.“

Jede Woche findet auf dem Dorfplatz von Mekerie ein Wochenmarkt statt, zu dem die Bauern aus der Umgebung mit ihren Waren kommen, mit Schafen, Hühnern oder Getreide, Eiern und speziellen Chilischoten, um sie zu tauschen oder zu verkaufen. „Das ist immer eine riesige Sache“, erklärt Alfred Brendler, „denn sie kennen dort natürlich keine Weißen und sind total überrascht, wenn dann ein großer, weißer Mann über den Markt schlendert.“

Er mag und schätzt die Rituale des Dorfes, die er während seiner zahlreichen Besuche vor Ort kennenlernen durfte. Besonders das Dorf-Komitee beeindruckt ihn. Ähnlich einem Gemeinderat werden hier alle Belange des Dorfes besprochen. Wenn über etwas entschieden werden muss, zum Beispiel eine neue Wasserleitung, werden die zuständigen Mitglieder zusammengetrommelt und es wird so lange diskutiert, bis eine Lösung gefunden ist. „Das ist auch manchmal etwas kompliziert, weil sie sehr lang miteinander diskutieren. Damit keiner sein Gesicht verliert, wird nämlich immer ein Kompromiss gesucht. Das dauert natürlich, aber das Ganze ist sehr demokratisch. Und für uns ist ja wichtig, dass die Leute vor Ort selbst entscheiden und wir ihnen nicht irgendetwas aufdrücken.“

In all den Jahren, die Alfred Brendler nun schon regelmäßig nach Äthiopien reist, um die Menschen vor Ort ganz praktisch zum Beispiel bei der Wasserversorgung oder mit Solarlampen zu unterstützen, durfte er auch einige der religiösen Traditionen der Äthiopier kennenlernen. Die Meisten sind sehr gläubig und halten streng jeden der 52 Feiertage im Jahr ein. Besonders die 40-tägige Fastenzeit wird strikt befolgt. „Ich war ja öfters an Ostern dort und dann wird man richtig ausstaffiert“, erinnert sich Brendler. „Die Hausherrin bereitet weiße Tücher für uns vor, die wie ein Gewand um uns herumgeschlungen werden, und wir gehen alle zusammen in der Osternacht in die Kirche. Dort wird gesungen – von abends um 19 Uhr bis zum Sonnenaufgang. Nach Ostern wird das Lamm Gottes geschlachtet. Es wurde zuvor auf dem Markt gekauft, dann geschlachtet und schließlich mit der Familie und den Gästen gegessen. Das ist dort das große Oster-Ritual.“

In diesem Jahr plant Alfred Brendler wieder eine lange Reise nach Mekerie. Mal sehen, welche Geschichten und Anekdoten er diesmal von dort mitbringen wird.

NEW! Hamburger mit Herz e.V. Mentoringprojekt mit Geflüchteten. #MenteeMittwoch

Es gibt was Neues von unserem Mentoring-Projekt: Ab sofort ist bei uns jeden Mittwoch „MenteeMittwoch“. Dann gibt es jeweils ein aktuelles Video, in dem wir Menschen vorstellen, die sich eine Mentorenschaft wünschen, Menschen, die in dem Projekt mitarbeiten und mehr. Unsere aktuellen Videos finden Sie hier (unser Youtube-Kanal) und auf unserer Facebook-Seite.

Noch Fragen, Anregungen? Interesse, einen Neu-Hamburger zu begleiten? Dann melden Sie sich gern bei unseren Koordinatoren. Oder kommen Sie einfach vorbei:

Jeden Mittwoch bieten wir von 16 bis 18 Uhr eine „Mentoring-Sprechstunde“ an.
Oder schauen Sie zu den Öffnungszeiten der „Herzkammer“ vorbei:

Mo-Mi: 14 bis 19 Uhr
Fr. 9-13 Uhr

Hier ist das Auftakt-Video:

Aufgezeichnet von Meike Krämer

Peter Bankowski, 62, lebt seit über 30 Jahren in Hamburg. Der gebürtige Niedersachse ist Osteopath mit eigener Praxis in der Hansestadt. Seit drei Jahren ist er Pate des äthiopischen Jungen Armani aus Mekerie. Hier ist seine Geschichte.

„Ein Freund von mir wurde 2014 gefragt, ob er über die nächste Reise des Vereins nach Äthiopien einen Film machen könnte. Ich war bei der Besprechung dabei und habe ganz spontan gesagt, dass ich wahnsinnig gerne mitfahren würde. Mich hat sehr interessiert, was vor Ort gemacht und wie genau geholfen wird. Und so haben wir es gemacht. Das war quasi eine Reise ins Mittelalter, so ursprünglich habe ich mir Äthiopien fast nicht vorgestellt. Die Reise war ein wirkliches Abenteuer und mir ist bewusst geworden, wie schwer es ist, das Richtige zu tun.

Man überweist ja schnell mal Geld für die Afrikahilfe, meistens werden davon Brunnen gebaut. Aber viele Brunnen zu bauen, ist oft nicht das Entscheidende. Manchmal graben sie sich nämlich gegenseitig das Wasser ab. Das Tolle bei HAMBURGER*MIT HERZ ist, dass die Menschen vor Ort in solche Problemlösungen mit einbezogen werden. Sie werden nach ihrer Meinung gefragt und entscheiden mit – und man stülpt ihnen nicht einfach von außen etwas über. Das war für mich ganz entscheidend.

Das Allerwichtigste aber war: Wenn man helfen will, dann muss man bei den Kindern anfangen. Damit, ihnen Bildung zu geben, sodass sie aus sich heraus etwas an ihrer Situation ändern können. Ich glaube, das ist die einzige Chance, die sie haben. Und andererseits habe ich gedacht: Hoffentlich werden nicht zu schnell Bedürfnisse geweckt, die wir aus unserem Leben kennen, wo so viel Geld für dummes Zeug ausgegeben wird. Ein paar Stunden entfernt von Mekerie sind beispielsweise Orte, die Strom haben. Da ist das Leben ganz anders, es läuft zum Beispiel den ganzen Tag der Fernseher – das gibt es in Mekerie nicht.

Mir wurde dadurch klar, dass jeder Akt der Hilfe Dinge mit sich bringt, die man hinterfragen sollte. Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei eins der schwierigsten Themen überhaupt: Was brauchen die Kinder wirklich, um glücklich zu sein? Klar ist, sie sollten nicht hungern! Und sie müssen, wenn sie erwachsen sind, Chancen bekommen, Aussicht auf Arbeit haben.

Dass ich auf dieser Reise Pate eines Kindes werden würde, war nicht geplant. Aber es gab einen Junge, der mich, ich weiß nicht warum, ins Herz geschlossen hat. Er war immer an meiner Seite und versuchte, meine Hand zu nehmen – ganz süß. Er war das schmutzigste Kind von allen, seine Hose hatte die meisten Löcher, seine Nase lief ständig, aber er hatte ein sehr süßes Lächeln. Ich bin dann häufiger mit ihm zu einer Wasserpumpe gelaufen und habe ihm gezeigt, wie man sich wäscht. Ich glaube, das fand er toll.

Dann sind wir irgendwann zum Schneider gegangen. Auch das ist wichtig, dass man nichts aus Deutschland mitbringt, was es auch in Mekerie gibt. Möglichst vor Ort kaufen, damit die Menschen selbst etwas produzieren oder verkaufen können. Ich habe ihm also eine neue Schuluniform gekauft und da standen plötzlich 30 weitere Kinder (lacht). Ich habe dann für alle Kinder, die barfuß liefen, Schuhe gekauft. Die Eltern haben das Geld dafür nicht, aber für jemanden, der aus Deutschland kommt, kostet das fast nichts. Das war keine große Sache, insbesondere verglichen damit, dass andere eine Schule in Mekerie aufgebaut haben und andere großartige Dinge vor Ort geleistet haben.

Aber mir war nach der Reise klar: Es ist ein tolles Gefühl, mit für uns so wenig Geld einem Kind die Schulbildung zu ermöglichen. Aus diesem Gefühl heraus ist dann auch die Patenschaft mit meinem Patenkind Armani entstanden. Seitdem schreiben wir uns etwa ein- bis zweimal im Jahr Briefe und ich unterstütze ihn jeden Monat finanziell. Bei HAMBURGER*MIT HERZ weiß ich durch meine Reise genau, dass alle mit unheimlich großem Engagement dabei sind und die Spenden direkt in Mekerie ankommen.“