Auf meinem Weg nach Mekerie, den ich dieses Mal von Addis Abeba komplett mit dem Auto bewältigte, begleitete mich zum ersten Mal ein alter Bekannter, der Äthiopier Bereket Dessie. Bereket wuchs als Halbwaise, in einem Waisenhaus auf (Hier der Link zu: Einblicke in ein anderes Waisenhaus in Addis Abeba), dem Selam in Addis Abeba. Heute leitet er selbst ein eigenes Projekt in dem Dorf Zew Mariam im Norden Äthiopiens, das mit einem Hilfsverein aus der Schweiz korrespondiert.

Während wir den Staub der Straßen Äthiopiens hinter uns aufwirbelten, erfuhr ich viel von meinem Freund und seinem Projekt. Er ist ein sehr fürsorglicher und hilfsbereiter Mensch. In Zukunft will uns Bereket dabei helfen, besser Kontakt nach Mekerie halten zu können, wenn gerade kein Vertreter von HAMBURGER*MIT HERZ vor Ort sein kann. Bestellungen, Einkäufe, Dolmetschen, das Organisieren von Fahrzeugen, Abläufen oder Bürokratie kann Bereket uns in Teilen abnehmen und so schon Vieles vorbereiten, sodass in Zukunft unsere Reisen sehr viel effizienter und planbarer werden würden. Er ist auch bereit, vor unserer Ankunft nach Mekerie zu reisen, um sicherzustellen, dass die passenden Komitees tagen können, wenn wir dort sind.

Geplant war unsere Tour so, dass wir von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, in die Stadt am Tanasee nach Bahirdar fahren, um dort eine letzte Nacht in einem Hostel verbringen zu können und die Einkäufe abzuholen, die wir in beiden Dörfern brauchen würden, um dann gleich am nächsten Tag nach Mekerie aufzubrechen.

Gesagt, getan! Als wir in Mekerie ankamen, wurden wir, wie immer, mit offenen Armen empfangen. Obwohl ich schon bald 20 Mal bei den Menschen vor Ort war, teils völlig ohne jeden Dolmetscher, und ich von mir behaupten würde, mich phantastisch mit den Einheimischen zu verstehen, ist es doch eine große Hilfe, einen Dolmetscher an seiner Seite zu wissen, dem man vertraut. Bereket war nicht nur ein hilfreicher Dolmetscher, sondern brachte sich mit seinem Know-how auch gewinnbringend in die Ideen zu „unserem“ Dorf mit ein.

Zuerst ist zu sagen, dass ich mit dem Bau der Wasserleitung (von der Quelle bis hinab zum Dorf) und dem dazugehörigen Wassertank/Zwischenbehälter (im Dorf) sehr zufrieden bin. Bei meiner Ankunft wurden gerade noch die letzten Bauarbeiten erledigt und ich konnte die neue Frischwasser-Zapfstelle als einer der ersten ausprobieren. Am Wasserdruck könnten wir noch etwas arbeiten, aber dieses wirklich saubere Wasser aus den Bergen ist ein Segen für die Menschen, die sich bisher aus Brunnen versorgen mussten, in denen es einfach schneller zu Verunreinigungen kommen kann.

Diese Zapfstelle wird vor allem den Mädchen von Mekerie das Leben erleichtern, da sie nun nicht mehr von Brunnen zu Brunnen wandern müssen, um kilometerweit schwere Wasserkanister nach Hause zu tragen. Die Beschaffung des Wassers ist in Äthiopien Frauensache und allzu oft also auch die Sache der älteren Mädchen der Familien.

Ich habe auch noch eine weitere Bekannte getroffen. Missaue geht es viel besser und sie muss jetzt nur noch halbjährig zu medizinischen Kontrollen nach Bahir dar. Für die Fahrten und Medikamente konnte ich ihr aus dem Sozialfond die nötigen Birr übergeben und sie war sehr dankbar dafür.

Ein großes Thema in Mekerie ist der Bau des Grundschulgebäudes, dessen Antrag nun zur Prüfung auf dem Tisch der Zuständigen Behörde in Eesti vorliegt.

Unsere Exkursion führte uns auf dem Weg nach Zew Mariam auch durch Debre Tabor, wo ich Bamlaku traf. Den Jungen, der noch vor einigen Jahren zu erblinden drohte, schließt nun schon im nächsten Jahr seine Ausbildung als Krankenpfleger mit Schwerpunkt auf Psychiatrie ab. Er sieht gut aus. Ich habe mich gefreut ihn zu treffen und zu sehen, was aus einem Menschen werden kann, dem die Hand gereicht wurde. Wäre Bamlaku damals erblindet, würde er heute nur als Bettler leben. In Äthiopien gibt es für blinde Menschen keinerlei Hilfe oder Hilfsmittel.

Zew Mariam ist ein wunderschön gelegenes Dorf im Hochland. Es ist vergleichbar mit Mekerie und ich habe die Zeit dort sehr genossen. Auch dort wurde eine Schule gebaut, eine Solaranlage und es weißt viele Parallelen zu Mekerie auf.

Es gibt viel zu tun in Äthiopien und immer mehr Einheimische machen sich ans Werk, um ihrem Land zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.

Ich empfinde die Äthiopier als sehr besonderen Menschenschlag, sie sind gastfreundlich, hilfsbereit und bereit anzupacken, um eine bessere Zukunft zu schaffen. Sie sind gewohnt in großen Zeiträumen zu denken: bis zur nächsten Regenzeit, bis zur Ernte, aber auch bis zum hohen Alter, wobei kein Staat für sie eine Rente bereithält. Die Familie steht im absoluten Mittelpunkt der Menschen Äthiopiens und eine Reise in dieses wunderschöne Land tut mir deshalb immer wieder gut.

Euer Fredy / Alfred Brendler

BEATE NGEE

Funktion im Verein: stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Protokollführerin seit Gründung bis Frühjahr 2013, seither Schatzmeisterin bis laufend
…seit wann: 2010

Name: Beate Ngee

Alter: 61 Jahre

Wohnort (Stadtteil): Appen, Kreis Pinneberg

Wie bist Du zum Verein gekommen?
Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Gorden Isler und anderen haben wir den Verein im April 2010 gegründet, um mit Herz und Verstand zu helfen, zu unterstützen und für Perspektiven von benachteiligten Bewohnern unseres Erdballs zu sorgen.

Wie wirst Du wirksam? / Was machst Du?

Als Schatzmeisterin obliegt mir der Bereich Finanzen. Dieser Job wird von mir ehrenamtlich ausgeführt neben meiner Selbstständigkeit als Versicherungsmaklerin. Wie im privaten, beruflichen, so auch im ehrenamtlichen Handeln ist mein Tun von Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und Transparenz geprägt. Bei mir müssen die Zahlen stimmen und die Termine eingehalten werden.

Was gefällt Dir besonders:
Dass unser Verein im nächsten Jahr 10 Jahre alt wird. Wir in der vergangenen Zeit viele Projekte erfolgreich abschließen konnten, was natürlich auch mit einem Dankeschön an unsere vielen Spendern umgesetzt werden konnte und vor allem mit einem großen Dank an die vielen helfenden Händen, welche ich mit Namen nicht alle aufzählen kann, tun möchte.

Was würdest Du Interessierten raten?
Wer sein Herz am rechten Fleck hat und mit Freude und ein wenig Enthusiasmus sich im Verein engagieren möchte, ist herzlich willkommen.

Anmerkung? Jeder Mensch ist wichtig und hat ein Anrecht auf Respekt und Würdigung!


BJÖRN SCHMITZ

Funktion im Verein: Vorstandsvorsitzender, zuständig für alles, was visuell nach außen kommuniziert wird
…seit wann: gefühlt schon immer

Name: Björn Schmitz

Alter: 41 Jahre

Wohnort (Stadtteil): Eppendorf

Wie bist Du zum Verein gekommen?
2012 habe ich für den Verein ein Benefiz Skat Turnier gefilmt und ein paar Grafikarbeiten dafür erstellt. Seitdem wurde ich immer wieder gebeten, für das eine oder andere Projekt etwas zu gestalten, bis ich dann irgendwann plötzlich im Vorstand saß.

Wie wirst Du wirksam? / Was machst Du?

Ich fühle mich verantwortlich für alle Bereiche, die mit Kreativität zu tun haben. Sei es die Dekoration des Weihnachtsmarktstandes oder die visuelle Kommunikation unserer Spendenkampagnen. Vorstandsarbeit gehört natürlich auch zu meinen Aufgaben. Manchmal stehe ich nur am Grill unseres Sommerfestes und brate Würstchen.

Was gefällt Dir besonders:
Mir gefallen die abwechslungsreichen Aufgaben im Verein und die vielen Menschen, die mein Leben bereichern. Ich finde es großartig, dass ich mit HHmH in Äthiopien was bewegen kann und dafür auch vor Ort Einblicke bekommen habe.

Was würdest Du Interessierten raten?
Keiner bindet Dir einen Klotz ans Bein, wenn Du den Versuch starten willst, etwas Gutes zu tun. Wir sind immer froh darüber, wenn neue Leute uns und andere Projekte kennenlernen wollen. Ob Du lange dabei bleibst oder nur einmal hilfst, das ist Deine Entscheidung und das ist Ok. Für neue Ideen sind wir immer offen.

#KULTURVERSTÄRKER

– Ein Kultur-Patenschaftsprojekt von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. –

Heute möchten wir Euch unser Tandem Marwa & Christiane aus dem Projekt #Kulturverstärker vorstellen. Seit Ende Januar dieses Jahres sind beide ein fester Bestandteil von #Kulturverstärker und haben bis jetzt schon viel gemeinsam erlebt.
Während Marwa durch ihr großes Interesse an Theater & Schauspiel auf uns aufmerksam wurde, suchte Christiane ein neues Ehrenamt – so kam es zum Match zwischen den beiden.
Ob Ernst Deutsch Theater, Hamburg Dungeon, Chocoversum oder Schauspielhaus – ihre Kulturbesuche sind ein bunter Mix aus allem, was die Hamburger Kulturlandschaft zu bieten hat. Vor allem vom Poetry Slam waren beide hellauf begeistert: „Das war das erste Mal, dass ich da war – ich fand’s echt mega cool!“ schwärmt Marwa vom Poetry Slam. Und auch vom Stück „Ellbogen“ im Schauspielhaus waren beide so fasziniert, dass sie sich im Nachgang noch angeregt über das tiefgründige 1-Personen-Stück austauschen mussten.
Wenn man mit den Beiden spricht, merkt man, dass die Chemie einfach stimmt: „Christiane ist wie eine Oma für mich, die ich nie richtig hatte, da meine eigene im Ausland lebt“, sagt Marwa.
Trotz Schulstress freuen sich beide auf die kommende Zeit und die neuen Erfahrungen, die sie zusammen sammeln werden.

 

Das Projekt #Kulturverstärker wird unterstützt durch „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg“ und ist ein Projekt der BürgerStiftung Hamburg, in Kooperation mit dem Mentor.Ringgefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Funktion im Verein: Sprachlotse und Mentor
…seit wann: Januar 2019

Name: Frederik Struck

Alter: 33 Jahre

Wohnort (Stadtteil): Hamburg Ottensen

Wie bist Du zum Verein gekommen?
Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, mich sozial zu engagieren und wollte sehr gern geflüchteten Neu-Hamburgern beim Deutschlernen helfen. Leider ist es recht schwierig, ein solches Ehrenamt zu finden, welches sich gut mit einem Vollzeitjob verbinden lässt. Ich habe mich dazu mit meiner Freundin Sarah, die sich inzwischen ebenfalls für Hamburger* mit Herz engagiert, gesprochen und zufällig hatte sie gerade über eine Arbeitskollegin von dem Verein gehört. Da war uns beiden klar: Das schauen wir uns mal näher an!

Wie wirst Du wirksam? / Was machst Du?
Seit Anfang des Jahres unterrichte ich Montags eine kleine Gruppe von primär Müttern, die bislang eher rudimentäre Deutschkenntnisse haben. Auch wenn die Verständigung manchmal ein paar Anläufe braucht und die Kinder dank ihrer ganzen Energie gelegentlich vom Unterricht ablenken, liegt darin auch der Reiz und die Freude dieser Aufgabe. Man sieht jede Woche Fortschritte der Teilnehmerinnen.
Zudem bin ich seit ein paar Wochen Teil eines Mentor-Mentee-Tandems. Darüber kann ich also noch nicht viel erzählen, aber ich freue mich total auf den zukünftigen Austausch und meine Horizonterweiterung, wenn mir jemand meine Heimatstadt durch eine ganz andere Brille zeigt.

Was gefällt Dir besonders:
Von Tag 1 an wurde ich von allen Freiwilligen mit offenen Armen empfangen und schon nach wenigen Wochen habe ich das Gefühl, dass ein sehr entspanntes und herzliches Verhältnis innerhalb der Unterrichtsgruppe herrscht. Besonders gefällt mir aber das Gefühl, unmittelbar vor meiner Haustür einen winzigkleinen Beitrag dazu leisten zu können, dass Menschen, die einen unvorstellbaren Weg hinter sich haben, nun ihr neues Lebenskapitel positiv gestalten können. Gleichzeitig merke ich, wie sehr ich für mich selbst Energie aus dem Ehrenamt ziehe und dass ich mit dem Sprachunterricht ein großes Stück Sinnhaftigkeit in meinen Alltag bringen konnte.

Was würdest Du Interessierten raten?
Kommt einfach vorbei und lasst euch von der Herzlichkeit der Menschen anstecken.

– Alisha schreibt über Inge und Nils –

Hilfebedürftige gibt es in Hamburg viele. Menschen, die helfen wollen auch. Doch wie bringen wir sie zusammen? Fragt man Inge & Nils, bekommt man einen Kaffee und den ganz unromantisch-norddeutschen Blick darauf, was passiert, wenn man jemanden auf der Flucht ein bisschen seiner Ruhe schenkt. Die gute Nachricht: Es ist ganz einfach.

Ich komme mit dem Rad und gehe mit dem merkwürdigen Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Beim Eintreten in die Hamburger Wohnung samt Gemeinschaftsgarten mit Blick auf den Kanal, fällt es schwer nicht zu denken „Die haben alles, das ganze Paket.“ Körperlich und geistig fit, eine schöne, ruhig gelegene Wohnung, ein Fleckchen Grün, Kinder und Enkelkinder, dazu die nordische Gelassenheit. „Was will man mehr?“, fragt man sich, am frisch aufgebrühten Kaffee nippend. Helfen!

Und zwar nicht mit Fanfaren und Floskeln, sonder ganz unglamourös. Mit beiden Händen und vollem Herzen. „Das hat sich einfach so entwickelt“, sagt Inge schulterzuckend, als erkläre das irgendetwas. Und das tut es auch, ich brauche nur noch einen Moment, bis ich es verstehe.

ES GIBT SIE NOCH: SCHLICHTE ZUFRIEDENHEIT

Das Ehepaar – sie Arzthelferin im Ruhestand, er ehemals Pastor – empfangen mich mit offenen Armen und freiem Kopf. Ich darf Platz nehmen, zu Schweizer Schokolade und Geschichten von nebenan. Kaum Distanz, keine Vorurteile, hier hat Schnacken nichts mit Halbwahrheiten zu tun. Die beiden lachen viel, sind unbefangen und unterhaltsam. Wenn Inges Augen leuchten, beginnt Nils zu schmunzeln. Schön, dass es sie noch gibt: Schlichte Zufriedenheit. Ich bin ihr lange nicht mehr so nah gekommen. Willkommen in der heilen Welt.

Sie kommt in leicht bekömmlicher Form von zwei schmucken Mitachtzigern, die noch an das Gute glauben. Schon seit die beiden sich kennen, eben ewig, engagieren sie sich für allerhand. Doch wenn Nils davon anfangen will, winkt Inge ab. Das seien alte Kamellen und tue hier nichts zur Sache. Die zwei möchten ganz offensichtlich keinen Orden für ihr Engagement. Gut, dass ich nur offene Ohren mitgebracht habe.

SIE SAGTE KEIN WORT, KEIN EINZIGES

Seit über fünf Jahren ist das Duo nun schon fester Bestandteil vom HAMBURGER*MIT HERZ e.V. Erst als improvisierende Deutschlehrer, später – bis heute – als Mentoren einer geflüchteten Familie aus Eritrea. Wenn sie ihre Erfahrungen teilen, ist es, als würde man hinter einen Vorhang lugen. Diesem Vorhang, der einem oft so hinderlich den breiten Horizont verwehrt, der Unterschied zwischen Hörensagen und Sehen. Die beiden sehen. Sie sehen wie Mohamed von Kitatür zu Kitatür pilgert, um seinen Kindern einen Platz zum Bleiben zu finden. Dass die Eltern niemals müde werden, die Sprache zu lernen, wie wahnwitzig die Fragen des B1-Testes auch sein mögen. Sie sehen, wie der Gang zum Arzt, das Ausfüllen einer Mieterauskunft, das Dechiffrieren der Amtspost zu einem Staatsakt wird, wenn man alleine in der Fremde steht. Wie doch dotierte Wissenschaftler 18-seitige Gutachten erstellen, um wirklich ganz sicher zu gehen, dass die Familie eritreisch spricht. Sie sehen, wie die 26-jährige Jameila mit einem Kind an jeder Hand, in einem Land, dessen Sprache sie oft nicht versteht und Regeln sie nicht kennt, versucht eine Wohnung zu finden. Eine Wohnung. In Hamburg. Auf der Flucht. Geduld ist hier die Währung, doch davon scheinen alle vier zum Glück reichlich im Gepäck zu haben.

SIE ESSEN INJERA UND SINGEN ZUSAMMEN „OH TANNENBAUM“

 „Sie sagte kein Wort“, erinnert sich Inge. Kein einziges Wort, als Jemeila sich eines Tages zu Inge an den Tisch im Gemeindesaal setzte, um Deutsch zu lernen. „Doch sie kam wieder. An unseren Tisch. Und ich sah sie an und wusste: Diese junge Frau lässt du jetzt mal nicht in Ruhe. Die soll sich hier auch gerade machen dürfen.“ Denn Jameila machte sich ganz klein. Klein und unsichtbar, in einem Land, dass sich bis heute uneins zeigt, wer darin warum willkommen ist. Hier scheint guter Rat oft teuer. Doch findet man ihn kostenlos, kommt er wie hier von Herzen.
Der Rest habe sich dann ganz organisch entwickelt, sagen die beiden und sprechen über die letzten drei Jahren als wäre es unser aller Alltag. Sie feiern gemeinsam Weihnachten, singen laut „Oh Tannenbaum“, essen Injera und teilen Sorgen und Kulturen, an Sonnentage sogar mit Planschbecken im Garten. Wie das kam, frage ich Inge und wundere mich über die Beiläufigkeit ihrer Worte. „Ich sagte zu Jameila, wenn sie Lust habe, könnten sie uns mal besuchen kommen. Und sie hatten Lust.“

NILS KENNT DAS GEFÜHL, ALS NEUER IN DER FREMDE ZU STEHEN

Aus dem unverbindlichen Angebot ist inzwischen eine Freundschaft gewachsen. Für Nils hat das im Grunde wenig mit Helfen zu tun, sondern illustriert vielmehr den Sinn des Lebens. Zugegeben, er hat einen kleinen Platzvorteil, denn er ist selbst zweimal geflüchtet. Und obgleich er die Sprache konnte, kennt er das Gefühl sehr gut, als Neuer in der Fremde zu stehen.

„Das kann man nicht so lassen, da muss man helfen“, sagt er mit einem ernsten Schimmer in den Augen, denn das, was folgt, ist wichtig: „Jeder erinnert sich selbst an Situationen, wo Einzelne einem geholfen haben. Das sind solche Inseln im Leben, an die man sich gerne erinnert und die auch ganz wichtig gewesen sind.“ Wichtig, um weiterzukommen. Wichtig, um endlich anzukommen. Und in der Einfachheit seiner Worte schlummert wie immer ihre Essenz. 

EGAL, WO MAN NEU ANFÄNGT, ES WARTEN DIE IMMER GLEICHEN PROBLEME

Wir alle kennen verschlossene Türen und schwierige Momente, suchen Wohnungen und Kitaplätze, Jobs und Freunde, Anschluss und Hilfe. Keiner kommt hier alleine klar. Flüchtlinge sind da weder eine Ausnahme noch ein besonders schwerer Fall. Denn egal wo man neu anfängt, gezwungen oder gewollt, warten die immer gleichen Probleme – oft banaler Natur und verhältnismäßig leicht zu lösen. Wirklich schwer wiegen sie es erst ohne Hilfe. „Nicht: Da sind wir und da seid ihr. Sondern symbiotisch. So wie es nun mal in der Natur natürlich ist. Der eine lebt mit dem anderen zusammen, die tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig. Das ist doch einfach nur sinnvoll“, sagt Nils und ich nicke, weil ich endlich verstanden habe, was die Zwei längst wissen: Man kann schon helfen, bevor man alle Antwort hat. Der Rest ergibt sich. Das klingt erst zu einfach, dann ziemlich schön und am Ende irgendwie nach „Wo soll ich mit anpacken?“ Und auch die Antwort darauf ist ganz leicht: Direkt ums Eck, z.B. im Mentorenprogamm des HAMBURGER*MIT HERZ e.V. Das ginge auch mit weniger Zeit und Lebenserfahrung, wird mir mit Ehrenwort versprochen. „Jeder hat seine eigene Geschichte und kann etwas Gutes dazu beitragen“, lächelt Inge. „Man muss ja nur mal den Hinter hochkriegen.“ Nils lacht wissend, ganz ohne erhobenen Zeigerfinger, versteht sich.

JEDER HAT SEINE EIGENE GESCHICHTE UND KANN ETWAS GUTES DAZU BEITRAGEN

Wo wollen wir also hin? Weiter. Eine Wohnung für die vier finden, sie einrichten, Mohamed beim B1-Test unterstützen, um damit die formale Voraussetzung für den Ausbildungsplatz in den Händen halten. Die praktische hatte er schon immer im Gepäck.

„Endlich zu Ruhe kommen“, schließt Inge. Der Familie einen Ort finden, an dem sie menschenwürdig leben können, mit einem eigenen Klo und einer Chance auf Zukunft. „Wenn das endlich so weit wäre, könnte man mal loslassen und dann einfach nur da sein“, fügt sie so bedächtig hinzu, das wir wirklich kurz innehalten.

„Dann können sie uns endlich mal entspannt besuchen“, ruft Nils in die Ruhe und wir lachen so herzlich, das ich mit einem Schmunzeln gehe. Und als ich mich, Zuhause angekommen, noch immer über die Leichtigkeit dieser tollen Begegnung wundere, fällt mir plötzlich ein, was ich wohl längst vergessen hatte: Es kann so einfach sein.

#KULTURVERSTÄRKER

– Ein Kultur-Patenschaftsprojekt von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. –

Am 28.01. fand die erste Auftaktveranstaltung unseres Projekts #Kulturverstärker im Rahmen eines Poetry-Slams im Ernst Deutsch Theater statt. Nach einer kleinen Kennenlernrunde der rund 16 #Kulturverstärker-Tandems ging es mit versammelter Mannschaft zur Poetry-Slam-Vorstellung. Thematiken wie Bildung, Gender oder lediglich die pure Poesie der Gedichte und Texte regten zum Lachen an und berührten zur gleichen Zeit.
„Das war mein erster Poetry-Slam. Ich fand’s super und hoffe, dass ich hier noch öfter hinkommen kann“, sagte eine der Jugendlichen.
Alles in allem waren Mentees sowie Mentoren rundum zufrieden und planen schon fleißig ihre zukünftigen Kulturbesuche.

Das Projekt wird unterstützt durch „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg“ und ist ein Projekt der BürgerStiftung Hamburg, in Kooperation mit dem Mentor.Ringgefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Seit wann bist du Mentor für den Hamburger mit Herz e.V.?

Vor ziemlich gut einem Jahr, im November 2017, haben Kahsay und ich unseren Mentoren-Vertrag unterschrieben.

Wie bist du dazu gekommen? Was waren deine Beweggründe dafür Mentor zu werden?

Wir waren auf der Demo „Hamburg zeigt Haltung“, mit der wir ein Gegengewicht gegen diese Krawalle beim G20-Gipfel zeigen wollten. Dort hatte der Verein „Hamburger mit Herz“ einen Stand, auf dem sie ihre Arbeit vorstellten. Mir hat das eingeleuchtet, dass man Hilfe gut brauchen kann, wenn man sich in unserer Gesellschaft zurechtfinden muss.

Wer ist dein Mentee? Was ist das Besondere an ihm, was macht ihn aus? Welche Gemeinsamkeiten habt ihr?

Kahsay ist etwas über 40. Er hat keine Frau und keine Kinder, wohnt alleine – noch immer in einer Geflüchteten-Unterkunft in Langenhorn. In Eritrea war er Gabelstaplerfahrer und hat hier mit Erfolg eine Ausbildung zum Transport-Logistiker gemacht. Seit März arbeitet er im Schichtdienst im Hafen.
Ich finde seine Zeichnungen sehr beeindruckend. Er macht oft sehr detailgenaue Sketches z.B. von den Geräten und Maschinen, mit denen er im Hafen hantieren muss. Ich würde so gerne eine kleine Ausstellung mit seinen Bildern organisieren, aber leider fehlt mir der Ansatz, wie ich das machen kann.

Wie gestalten sich eure Treffen? Was unternehmt ihr gerne zusammen? Kannst du vielleicht sogar von einem Erlebnis kurz erzählen?

Meistens treffen wir uns an den Montagen in der St. Markus-Gemeinde. Da finden die Sprachkurse von Hamburger mit Herz statt, an denen Kahsay fleißig teilnimmt, um sein Deutsch zu verbessern. Ich komme dann für eine halbe oder eine Stunde dazu und wir besprechen, was so anliegt.

Wobei kannst du ihn unterstützen? Was hat sich durch euer Mentoring schon für ihn positiv verändert?

Zurzeit Moment versuchen wir ihn aus dem Geflüchtetenheim heraus zu bekommen. Aber das ist nicht einfach. Ich glaube, dass ich hilfreich für ihn bin, wenn es um Briefe von den Behörden geht und solchen Sachen. Ich bin auch mit den Betreuern von Fördern und Wohnen im Geflüchtetenheim im Kontakt. Wenn sie Fragen oder Wünsche an ihn haben, kann ich vermitteln. Meine Erfahrungen mit den Leuten sind auch sehr positiv. Ich habe schon den Eindruck, dass sie sich um ihre Schützlinge kümmern und sie unterstützen, so gut sie können.

Was kannst du gleichzeitig von ihm lernen? Was ist der „Gewinn“ für dich?

Vor allem habe ich für mich das Gefühl etwas nützliches zu tun.

Hast du Wünsche für deinen Mentee? Was würdest du ihm gerne auf den Weg geben?

Ich glaube, er möchte gerne seinen Bruder mit dessen Familie nachholen. Es wäre toll, wenn das klappen würde. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass er noch etwas besser Deutsch lernen müsste und sich endlich mit dem PC anfreunden 😉

Möchtest du sonst noch etwas zum Mentorenprogramm im Allgemeinen als Feedback geben?

Ich finde das Programm eine tolle Sache und bin von den Leuten bei „Hamburger mit Herz“ begeistert. Sie haben immer etwas „auf der Pfanne“ und neue Ideen von uns Mentoren werden aufgenommen und weiterverarbeitet. Die gemeinsamen Feste bringen uns alle zusammen. Hat schon was von „großer Familie“.

 

Weihnachten in Äthiopien / Christmas in Ethiopia (Englische Übersetzung siehe unten)

Weihnachten ist einer der größten und angesehensten Feiertage der Eritreischen Gemeinschaft, der am 7. Januar, 14 Tage nach dem europäischen Weihnachtsfest, gefeiert wird. Natürlich gibt es eine andere Art und Weise, den Tag zu feiern, als in der europäischen Kultur. Es sind mehr spirituelle Momente, in denen die Menschen fasten und in die Kirche kommen, um zu beten, bevor der eigentliche Weihnachtstag kommt. Während des Tages wird auf ganz besondere Weise gefeiert, die kirchliche Zeremonie ist sehr aufregend und ein Segen. Es geht auch darum, den besonderen Geburtstag von Jesus Christus gemeinsam zu feiern. Am Vorabend des Weihnachtsfestes werden ein Schaf, eine Ziege oder zumindest eine Henne geschlachtet.

Jedes Familienmitglied hat seine eigenen Pflichten, alle helfen zusammen, um die besonderen Speisen und Getränke für das Fest zuzubereiten: Swa brauen (hausgemachtes Bier), Injera backen (ein dünner, aus einem speziellen Mehl gefertigter Teig) und Zgni kochen (ein heißer Fleischeintopf). Grünes Stroh (genannt Setti) liegt auf dem Boden und vielleicht füllt ein beruhigender Weihrauchduft den Raum. Die gesamte Veranstaltung ist sehr aufregend und jedes Familienmitglied trägt irgendwann während des gesamten Prozesses etwas dazu bei.

Nachdem der Gottesdienst beendet ist und alle zu Hause sind, erhalten die Männer ein Glas selbstgebrautes Bier und unterhalten die Gäste, während Mutter und Töchter im Haus herumlaufen, Essen und Kaffee mit Popcorn oder Himbasha, hausgemachtes eritreisches Brot, servieren.

Dann wird die schmackhafte Mahlzeit auf den Tisch gestellt. Das Gebet wird von einem Vater, dem ältesten oder einem älteren Mitglied der Familie gesprochen, und dann kann jeder das leckere Essen genießen.

Sollte es eine Familie geben, die es sich nicht leisten kann, die notwendige Mahlzeit zu kaufen, um den Tag zu feiern, dann ist es ein Segen Gottes, das Essen mit einer solchen Familie zu teilen und ihnen zu helfen.

Alles in allem verbreitet diese besondere Kombination eine festliche Atmosphäre, in der jeder diesen zauberhaften Tag genießt.

 

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Christmas is one of the biggest and respected holidays for Eritrean Community, which is celebrated on 7th of January, 14 days after European Christmas. Obviously it has a different way to celebrate the day from European culture. It’s more spiritual moments, where the people fast and come together to the church to pray before the actual Christmas day comes. During the day it will be celebrated in a very special way, the church ceremony is very exciting and blessing.

It is also about working together to celebrate the special birthday of Jesus Christ. On the eve of Christmas, a sheep, a goat or at least a hen are slaughtered. The whole family member has his own duties to prepare the special food and drinks for the holiday. Brewing Swa, (homemade beer), baking Injera, (a thin, made of a special flour call Taff) and cooking Zgni (a hot meat stew). Green straw (called Setti) is spread on the floor and maybe a soothing incense smoke fills the room. The whole event is very exciting and every family member contributes at some point during the whole process.

After the church service is over and everybody is back to their homes, the men are given a glass of the home brewed beer and entertain guests while the mother and daughters are roaming around the house serving food and Coffee with Popcorn or Himbasha, homemade Eritrean bread is served after eating the meal.

Then the tasty meal is set on the table. Prayer is said by a father, the eldest or a senior member of the family and then everyone can spread his fingers and enjoy eating the delicious Zgni with injera.

Should there be a family which cannot afford to buy the necessary meal in order to celebrate the day, then it is a God’s blessing to share the food with and help such a family.

Nonetheless this whole combination spreads a special smell in the air which creates a festive atmosphere. And enjoy the rest of the day!