Na, kommen Sie auch so langsam in WM-Stimmung, spüren Sie die Vorfreude auf perfekte Pässe, hart erarbeitete Torchancen und den krönenden Torjubel? Wir haben uns gefragt, welche Bedeutung Fußball in Äthiopien hat und sind für Sie auf die Suche gegangen.

Fußball gehört zu den beliebtesten Sportarten des Landes – obwohl Äthiopien international vor allem für mittlere und lange Laufdistanzen in der Leichtathletik bekannt ist. Denn obwohl die äthiopische Fußball-Nationalmannschaft eines der traditionsreichsten Teams des Kontinents ist, konnte sich die Mannschaft bisher noch nie für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.

Doch das mindert das Interesse am Sport nicht im Geringsten: Fußball wird dort seit dem Jahr 1924 gespielt. Vermutlich wurde der Sport von europäischen Ausländern in der Hauptstadt Addis Abeba eingeführt.

Die verschiedenen politischen Veränderungen Äthiopiens spiegeln sich auch in der Fußballgeschichte des Landes wieder. 1935 gründeten junge Männer aus der Nachbarschaft der Kirche St. George mit der „Saint George Football Association“ den ersten Fußballverein Äthiopiens, der bis heute der erfolgreichste Fußballklub des Landes ist. Während der italienischen Besetzung von 1936 bis 1941 wurde den äthiopischen Mannschaften allerdings verboten, gegen europäische Teams zu spielen.

1943 wurde die „Ethiopian Football Federation“ gegründet, die 1953 der FIFA beitrat. Die ersten offiziellen Meisterschaftsspiele wurden 1944 ausgetragen. Nach der Machtübernahme durch Mengistu Haile Mariam wurden 1978 im Zuge seines diktatorischen Regimes alle Vereine aufgelöst und nach sozialistischem Vorbild durch Armee-, Hochschul- und politische Mannschaften ersetzt.

Die Nationalmannschaft Äthiopiens spielte ihr erstes Spiel 1947 gegen Dschibuti in Addis Abeba und gewann dieses mit 5:0. In ihren ersten Jahren spielte die äthiopische Nationalmannschaft eine wichtige Rolle im afrikanischen Fußball. Nach dem zweiten und dritten Platz gewannen die Äthiopier bei der 1962 zum dritten Mal ausgetragenen Afrikameisterschaft den Titel im eigenen Land.

Seit Ende der 60er blieben sportliche Erfolge nahezu aus. Die Nationalmannschaft zählte im afrikanischen Fußballverband zu den schwächsten. Für die Afrikameisterschaft war Äthiopien seitdem nur noch zweimal qualifiziert, für die Weltmeisterschaft nie. Trotz fehlender Erfolge der Nationalmannschaft, wird sie vom Großteil der Bevölkerung enthusiastisch unterstützt.

Im August und September 2014 hat Julia Ninic (39) in einem äthiopischen Waisenhaus gearbeitet, um den Kindern vor Ort zu helfen. Die Lüneburgerin hatte zuvor schon einige afrikanische Länder bereist und sich für dieses soziale Projekt entschieden, um die Menschen im Land ganz gezielt zu unterstützen.

„Der Wecker klingelt um 7:30 Uhr, gegen 8 Uhr gibt es Frühstück: Weißbrot mit Marmelade. Im Anschluss fahre ich mit dem Minibus von Kazanchis über Arat Kilo zur Station Kabena. Von dort aus sind es nur noch wenige Meter zum Waisenhaus –die ich leider fast immer im Regen zurücklegen muss. Wenn ich im Waisenhaus ankomme begrüße ich als erstes die Kinder. Das ist jedes Mal so niedlich, denn sie Kinder sind einfach überall und die 4 bis 8-Jährigen rufen erst: „Schoooooool?!?! Jawoll!“ und rennen dann los ins Klassenzimmer. Um 9 Uhr geht’s in etwa los: Wir lernen Zahlen und Buchstaben, einige können auch schon englische Worte schreiben. In der Pause wird manchmal gesungen oder draußen ein Zahlenspiel gespielt. Dann gehen wir zu den Babys und spielen draußen mit ihnen – wenn es nicht gerade regnet. Die anderen spielen Fußball.

Neben all der Lernerei wird aber auch viel gekuschelt und gealbert! Hier leben Mädchen und Jungs, manche sind noch Babys, andere bereits 18 Jahre alt, alle zusammen in einem Haus. Es gibt Mamas, die kochen, waschen und auf die Kinder aufpassen. Sie arbeiten in 24 Stunden-Schichten und wechseln sich ab. Neben den Mamas verantworten zwei Schwestern das Haus. Die Schwestern bringen auch manchmal neue Kinder mit hierher, sie sind wirklich zuckersüß. Auch wenn sie manchmal sehr hektisch sind, freue ich mich jeden Tag auf die kleinen Racker! Am späten Nachmittag fahre ich wieder zu meiner Gastfamilie – sie ist zauberhaft! – und esse gegen 20 Uhr mit ihnen zu Abend. Ich spreche viel mit ihnen, das ist jedes Mal toll. Außerdem lese ich viel und versuche, früh schlafen zu gehen, um wieder fit zu sein für den nächsten Tag mit meinen Kleinen. Das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört, denn zum einen ist es sehr kalt, zum anderen muss ich abends erstmal den ganzen Tag gedanklich verarbeiten.

An den Wochenenden erkunde ich mit ein paar anderen Ehrenamtlichen die Schönheit Äthiopiens. Ich habe ja schon viele afrikanische Länder bereist und erlebt und jedes einzelne Land ist einzigartig und wunderbar – und gerade Äthiopien ist sehr besonders. Ich bin unendlich dankbar für diese wertvolle Erfahrung, die ich niemals vergessen werde – so wie ich mich immer an jedes einzelne Kind erinnern werde.“

 

Noch in diesem Jahr wird es wieder soweit sein und Alfred Brendler kann endlich über den Marktplatz in Mekerie spazieren, mit den Kindern der Dorfbewohner fangen spielen und als Gast bei Mary und ihrer Familie leben. Sie hat er sofort ins Herz geschlossen, als er 2009 das erste Mal in Äthiopien war. Damals installierte er im Rahmen der Entwicklungshilfe eine Photovoltaik-Anlage, ein Jahr später reiste er zusammen mit dem HAMBURGER*MIT HERZ-Vorstand Gorden Isler nach Mekerie. Ganze 17 Mal war der 58-jährige Bayer bisher in dem kleinen Dorf in der Amhara-Region, kennt Sitten und Bräuche der Einwohner und genießt immer wieder die Tage am anderen Ende der Welt.

„Natürlich findet dort ein ganz anderes Leben statt. Es gibt kein Leitungswasser, man kann sich nur mit Brunnenwasser waschen, es gibt keinen Strom, keinen Handyempfang. Und man schläft auf einer Matte mit richtig vielen Flöhen, das ist für manche sehr, sehr bitter. Für mich nicht, weil ich offensichtlich flohresistent bin“, erzählt Alfred Brendler und schmunzelt.

Besonders berührt ist der Berufsschullehrer von den Kindern des Dorfes. Zur Begrüßung singen an die 80 von ihnen auf dem Dorfplatz für ihn ein Ständchen. „Mittlerweile kennen sie mich ja und sie lieben es, wenn ich mit ihnen spiele. Das ist für sie das Highlight, wenn ich dann so tue, als würde ich sie fangen: Unser gemeinsames Ritual.“

Jede Woche findet auf dem Dorfplatz von Mekerie ein Wochenmarkt statt, zu dem die Bauern aus der Umgebung mit ihren Waren kommen, mit Schafen, Hühnern oder Getreide, Eiern und speziellen Chilischoten, um sie zu tauschen oder zu verkaufen. „Das ist immer eine riesige Sache“, erklärt Alfred Brendler, „denn sie kennen dort natürlich keine Weißen und sind total überrascht, wenn dann ein großer, weißer Mann über den Markt schlendert.“

Er mag und schätzt die Rituale des Dorfes, die er während seiner zahlreichen Besuche vor Ort kennenlernen durfte. Besonders das Dorf-Komitee beeindruckt ihn. Ähnlich einem Gemeinderat werden hier alle Belange des Dorfes besprochen. Wenn über etwas entschieden werden muss, zum Beispiel eine neue Wasserleitung, werden die zuständigen Mitglieder zusammengetrommelt und es wird so lange diskutiert, bis eine Lösung gefunden ist. „Das ist auch manchmal etwas kompliziert, weil sie sehr lang miteinander diskutieren. Damit keiner sein Gesicht verliert, wird nämlich immer ein Kompromiss gesucht. Das dauert natürlich, aber das Ganze ist sehr demokratisch. Und für uns ist ja wichtig, dass die Leute vor Ort selbst entscheiden und wir ihnen nicht irgendetwas aufdrücken.“

In all den Jahren, die Alfred Brendler nun schon regelmäßig nach Äthiopien reist, um die Menschen vor Ort ganz praktisch zum Beispiel bei der Wasserversorgung oder mit Solarlampen zu unterstützen, durfte er auch einige der religiösen Traditionen der Äthiopier kennenlernen. Die Meisten sind sehr gläubig und halten streng jeden der 52 Feiertage im Jahr ein. Besonders die 40-tägige Fastenzeit wird strikt befolgt. „Ich war ja öfters an Ostern dort und dann wird man richtig ausstaffiert“, erinnert sich Brendler. „Die Hausherrin bereitet weiße Tücher für uns vor, die wie ein Gewand um uns herumgeschlungen werden, und wir gehen alle zusammen in der Osternacht in die Kirche. Dort wird gesungen – von abends um 19 Uhr bis zum Sonnenaufgang. Nach Ostern wird das Lamm Gottes geschlachtet. Es wurde zuvor auf dem Markt gekauft, dann geschlachtet und schließlich mit der Familie und den Gästen gegessen. Das ist dort das große Oster-Ritual.“

In diesem Jahr plant Alfred Brendler wieder eine lange Reise nach Mekerie. Mal sehen, welche Geschichten und Anekdoten er diesmal von dort mitbringen wird.

Wer ist Joanna?

Joanna Abram ist 33 Jahre alt und kommt gebürtig aus Polen. Nach ihrem BWL-Studium hat sie ihren ersten Job in Hamburg angenommen. Seit mittlerweile neun Jahren arbeitet sie als Unternehmensberaterin und kümmert sich um die Effizienzsteigerung in Großkonzernen und bei Mittelständlern. Diese Fähigkeit bringt sie auch bei HAMBURGER*MIT HERZ e.V. ein und sorgt hier für klare Strukturen. Ihre größte Leidenschaft sind Reisen. Ihr heimliches Ziel: einmal alle Länder dieser Welt bereist zu haben.

 

Wie ist Joanna zu HAMBURER*MIT HERZ e.V. gekommen?

Joanna war seit längerer Zeit auf der Suche nach einer Hilfsorganisation, bei der sie selbst mit anpacken konnte. Geprägt durch ihre zahlreichen Reisen entstand der Wunsch, etwas zu bewirken und Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen. Eine Reihe von Zufällen und ein bisschen Glück haben sie 2014 zu unserem Vorstand Gorden Isler geführt. Schnell war klar, dass HAMBURGER*MIT HERZ e.V. genau das ist, wonach Joanna schon so lange gesucht hatte. Sie ist dem Verein beigetreten, hat die Patenschaft des kleinen Jungen Johannis aus Mekerie übernommen – und ist geblieben.

 

Was sind Joannas Aufgaben im Verein?

Joanna ist seit 2017 Vorsitzende von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. in Doppelspitze mit Gorden Isler. In ihrer Vorstandsfunktion verantwortet sie das Entwicklungsprojekt in Mekerie in Äthiopien. Ziel des Projektes ist, dass jedes Kind vor Ort zur Schule gehen kann und dadurch die Chance auf eine bessere Zukunft geboten bekommt. Deshalb ist die Vermittlung von Paten aus Deutschland ein zentraler Kernpunkt von Joannas Arbeit.

 

Warum die kurzfristige Reise nach Äthiopien im August?

Doch die Chance auf Bildung reicht nicht, wenn die Gesundheit nicht mitmacht. In Äthiopien gibt es keine allgemeine, für alle zugängliche Krankenversicherung. Viele Äthiopier können sich dadurch nicht die medizinische Behandlung leisten, die hier in Deutschland für jeden so selbstverständlich ist. Dazu kommen schlechte Hygienebedingungen vor Ort, die wiederum Krankheiten verursachen, die bei uns seit Jahrzeiten nicht mehr auftreten.

Unser Schützling Bamlaku leidet an einer degressiven Augenerkrankung und wird ohne Behandlung irgendwann/bald erblinden. In Äthiopien würde ihm damit das Leben eines Bettlers bevorstehen. Auch Messay, ein Mädchen mit Schilddrüsenüberfunktion, benötigt dringend eine Operation. Beide Kinder haben wir auf ihrem Ausbildungsweg begleitet und möchten sie jetzt auch bei ihrer Genesung unterstützen. Denn manchmal ist eine Ausbildung eben nicht alles.

Da sich der Zustand von Bamlaku deutlich verschlechtert und Messay nach zwei Jahren Medikamenteneinnahme endlich operiert werden darf, hat HAMBURGER*MIT HERZ e.V. entschieden, Bahar Dar in Äthiopien zu reisen, um beiden Kindern die notwendige medizinische Betreuung zu ermöglichen.

Was sind die nächsten Schritte in Mekerie?

Das Projekt befindet sich derzeit in einer Umstrukturierungsphase und soll noch nachhaltiger

wirken. Dabei ist Hilfe zur Selbsthilfe ein zentrales Element. Diese ist nur möglich, wenn wir als Verein die Starthilfe geben und die Menschen vor Ort dann darauf aufbauen können, damit HAMBURGER*MIT HERZ e.V. seine Hilfe bei anderen Bedürftigen fortsetzen kann. Vielleicht möchten Sie sich engagieren und an unserem Workshop im September teilnehmen? (Mehr steht noch nicht)  Dort besprechen wir die Weiterentwicklung des Projektes und unsere Ideen und Vorschläge. Wir freuen uns auf Sie!

 

von Anja Hajduk

 

Immer noch sind zurzeit weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Suche nach Schutz für sich und ihre Familien. Hamburg und Deutschland haben vor allem in den letzten zwei Jahren viele neue Geflüchtete aufgenommen. Hamburg ist Heimat geworden für Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan und vielen anderen Konfliktherden dieser Welt.

In meiner politischen Arbeit im Bundestag stand in den vergangenen Jahren häufig das Thema Kosten für die Ausgaben für Geflüchtete auf der Tagesordnung. Übersehen wird dabei der Faktor, dass durch Migration – vor allem Arbeitsmigration – auch Einkommen wieder in die Herkunftsländer zurück fließt. Viele Migrant*innen unterstützen ihre Familien, Verwandte und Bekannte, in dem sie einen Teil ihres Gehaltes nach Hause schicken, dies nennt man Rücküberweisungen. Laut Weltbank machten diese Geldtransfers weltweit im Jahr 2016 fast 380 Milliarden Euro aus. Das ist fast dreimal so viel Geld wie die Summe der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit aller Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), diese betrug 2016 „nur“ 125 Milliarden Euro. In vielen Ländern machen die Rücküberweisungen an die zu Hause gebliebenen Familien und Bekannten einen Großteil des Bruttoinlandsproduktes (BIPs) aus. Gerade für kleine und fragile Länder sind Rücküberweisungen extrem wichtig, in Nepal und im Libanon betragen diese fast 30 Prozent des BIPs.

Arbeitsmigration gab es schon immer und wird es auch immer in unserer globalen Welt weiter geben. Eine selbstbestimmte Migration sollte als Chance für Herkunfts- und Aufnahmestaat anerkannt werden. Sie wirkt positiv, da sie Familien in den Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützt. Mit den Geldern wird Armut verringert, die lokale Wirtschaft gefördert und es eröffnen sich Bildungschancen für Kinder. Wenn die Migrant*innen wieder in ihre Heimatländer zurückkehren, bringen sie neue Fähigkeiten mit und können eine Bereicherung für Wirtschaft und Gesellschaft sein. Arbeitsmigration hat aber auch eine Schattenseite. Sie führt ebenfalls dazu, dass die wenigen gut Ausgebildeten ihre Heimatländer verlassen und es so dort zu einem „braindrain“ kommt. Wenn die gut Ausgebildeten auch die Familienoberhäupter sind, werden Familien oftmals zerrissen, Kinder wachsen bei ihren älteren Verwandten auf, so entstehen in manchen Regionen regelrechte „Waisendörfer“. Rücküberweisungen sind daher nur ein Teil der Lösung zu mehr globaler Gerechtigkeit.

Für mich bleibt die beste Entwicklungspolitik diejenige, die Menschen davor bewahrt, ihre Heimat verlassen zu müssen. Fluchtursachenbekämpfung bedeutet für mich eine Politik umzusetzen, die daran arbeitet, die strukturellen Ursachen der Zerstörung von Lebensgrundlagen langfristig zu beheben. In der globalisierten Welt hilft es dabei wenig, wenn alle mit dem Finger auf die Anderen zeigen. Fluchtursachenbekämpfung heißt deshalb für mich zunächst nach der eigenen Verantwortung zu fragen und hier dafür zu sorgen, dass wir zum Beispiel keine Waffen in Krisengebiete liefern und die europäische Agrar- und Handelspolitik mit Afrika endlich fair gestalten. Mehr dazu auch im AutorInnenpapier: Grün.Global.Gerecht

 

Ihre Anja Hajduk

Bundestagsabgeordnete und Hamburger Spitzenkandidatin Bündnis 90/Die Grünen

Aufgezeichnet von Meike Krämer

Peter Bankowski, 62, lebt seit über 30 Jahren in Hamburg. Der gebürtige Niedersachse ist Osteopath mit eigener Praxis in der Hansestadt. Seit drei Jahren ist er Pate des äthiopischen Jungen Armani aus Mekerie. Hier ist seine Geschichte.

„Ein Freund von mir wurde 2014 gefragt, ob er über die nächste Reise des Vereins nach Äthiopien einen Film machen könnte. Ich war bei der Besprechung dabei und habe ganz spontan gesagt, dass ich wahnsinnig gerne mitfahren würde. Mich hat sehr interessiert, was vor Ort gemacht und wie genau geholfen wird. Und so haben wir es gemacht. Das war quasi eine Reise ins Mittelalter, so ursprünglich habe ich mir Äthiopien fast nicht vorgestellt. Die Reise war ein wirkliches Abenteuer und mir ist bewusst geworden, wie schwer es ist, das Richtige zu tun.

Man überweist ja schnell mal Geld für die Afrikahilfe, meistens werden davon Brunnen gebaut. Aber viele Brunnen zu bauen, ist oft nicht das Entscheidende. Manchmal graben sie sich nämlich gegenseitig das Wasser ab. Das Tolle bei HAMBURGER*MIT HERZ ist, dass die Menschen vor Ort in solche Problemlösungen mit einbezogen werden. Sie werden nach ihrer Meinung gefragt und entscheiden mit – und man stülpt ihnen nicht einfach von außen etwas über. Das war für mich ganz entscheidend.

Das Allerwichtigste aber war: Wenn man helfen will, dann muss man bei den Kindern anfangen. Damit, ihnen Bildung zu geben, sodass sie aus sich heraus etwas an ihrer Situation ändern können. Ich glaube, das ist die einzige Chance, die sie haben. Und andererseits habe ich gedacht: Hoffentlich werden nicht zu schnell Bedürfnisse geweckt, die wir aus unserem Leben kennen, wo so viel Geld für dummes Zeug ausgegeben wird. Ein paar Stunden entfernt von Mekerie sind beispielsweise Orte, die Strom haben. Da ist das Leben ganz anders, es läuft zum Beispiel den ganzen Tag der Fernseher – das gibt es in Mekerie nicht.

Mir wurde dadurch klar, dass jeder Akt der Hilfe Dinge mit sich bringt, die man hinterfragen sollte. Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei eins der schwierigsten Themen überhaupt: Was brauchen die Kinder wirklich, um glücklich zu sein? Klar ist, sie sollten nicht hungern! Und sie müssen, wenn sie erwachsen sind, Chancen bekommen, Aussicht auf Arbeit haben.

Dass ich auf dieser Reise Pate eines Kindes werden würde, war nicht geplant. Aber es gab einen Junge, der mich, ich weiß nicht warum, ins Herz geschlossen hat. Er war immer an meiner Seite und versuchte, meine Hand zu nehmen – ganz süß. Er war das schmutzigste Kind von allen, seine Hose hatte die meisten Löcher, seine Nase lief ständig, aber er hatte ein sehr süßes Lächeln. Ich bin dann häufiger mit ihm zu einer Wasserpumpe gelaufen und habe ihm gezeigt, wie man sich wäscht. Ich glaube, das fand er toll.

Dann sind wir irgendwann zum Schneider gegangen. Auch das ist wichtig, dass man nichts aus Deutschland mitbringt, was es auch in Mekerie gibt. Möglichst vor Ort kaufen, damit die Menschen selbst etwas produzieren oder verkaufen können. Ich habe ihm also eine neue Schuluniform gekauft und da standen plötzlich 30 weitere Kinder (lacht). Ich habe dann für alle Kinder, die barfuß liefen, Schuhe gekauft. Die Eltern haben das Geld dafür nicht, aber für jemanden, der aus Deutschland kommt, kostet das fast nichts. Das war keine große Sache, insbesondere verglichen damit, dass andere eine Schule in Mekerie aufgebaut haben und andere großartige Dinge vor Ort geleistet haben.

Aber mir war nach der Reise klar: Es ist ein tolles Gefühl, mit für uns so wenig Geld einem Kind die Schulbildung zu ermöglichen. Aus diesem Gefühl heraus ist dann auch die Patenschaft mit meinem Patenkind Armani entstanden. Seitdem schreiben wir uns etwa ein- bis zweimal im Jahr Briefe und ich unterstütze ihn jeden Monat finanziell. Bei HAMBURGER*MIT HERZ weiß ich durch meine Reise genau, dass alle mit unheimlich großem Engagement dabei sind und die Spenden direkt in Mekerie ankommen.“

Post aus Mekerie

von Joanna Abram

Wie Sie aus unserem vorigen Newsletter wissen, war ich im Februar in Mekerie. Dort habe ich mich nicht nur um die Verteilung der Spendengelder und andere organisatorische Dinge gekümmert. Ich durfte auch Post aus Mekerie von 20 Kindern für deren Paten in Deutschland mitnehmen. Briefe bekommen und selbst schreiben ist für die Patenkinder ein wirkliches Highlight in ihrem oft recht monotonen Alltag und sie freuen sich immer wahnsinnig über die Post aus Deutschland. Gerade werden die Briefe übersetzt und dann an die Paten versendet.

Wenn Sie selbst Pate eines äthiopischen Kindes sind, nehmen Sie sich doch ein paar Minuten, um Ihrem Patenkind zu schreiben. Sie ahnen gar nicht, was für eine Freude Sie damit machen. Sie können die Briefe per Mail an patenkinder@hamburger-mit-herz.de senden oder an unsere Postanschrift. Im Oktober sind wir das nächste Mal in Äthiopien und können die Briefe dann übergeben.

Bisher haben wir ein Drittel der Kinder aus Mekerie vermittelt. Die anderen warten noch sehnsüchtig auf einen eigenen Paten. Einen Paten zu haben ist für die Kinder etwas ganz Besonderes und bedeutet einen kleinen Hoffnungsschimmer und Lichtblick in ihrem Alltag. In Zeiten wie diesen, da die Äthiopier wieder mit einer schlimmen Dürre zu kämpfen haben und die Vereinten Nationen gerade erst vor einer der schlimmsten Hungerkrisen der letzten Jahrzehnte gewarnt haben, brauchen gerade die äthiopischen Kinder unsere Unterstützung.

Wir würden uns sehr freuen, Sie als Paten in der HAMBURGER*MIT HERZ-Familie begrüßen zu dürfen. Wenn Sie dazu Fragen haben, melden Sie sich gerne bei mir: joanna.abram@hamburger-mit-herz.de.

 

Von Joanna Abram

Nach mehreren Monaten bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Äthiopien war es endlich soweit: Die Lage im Inland hatte sich so weit stabilisiert, dass wir im Februar die Reise in unser Partnerdorf Mekerie antreten konnten. Bis zu unserer Ankunft in Äthiopien wussten wir nicht, ob wir es auch tatsächlich bis in das kleine Dorf schaffen würden. Trotzdem wollten wir es unbedingt versuchen.

Bei unserer Ankunft in Bahir Dar, der Hauptstadt der Amhara-Region, fühlten wir uns einigermaßen sicher und unsere anfänglichen Bedenken lösten sich in Luft auf. Erst als wir mit den Menschen vor Ort sprachen, erzählten sie uns von ihrer noch andauernden Angst wegen der vielen Aufstände der letzten Monate. Viele trauten sich abends nicht auf die Straße, weil sie eine erneute Eskalation befürchteten. Allerdings fuhren die öffentlichen Transportmittel wieder, sodass wir unsere Reise nach Mekerie bereits am nächsten Tag fortsetzen konnten.

In Mekerie haben wir schnell gemerkt, wie wichtig die regelmäßige Anwesenheit von HAMBURGER*MIT HERZ e.V. ist, um die Verantwortlichen vor Ort bei wichtigen Entscheidungen und deren Umsetzung zu unterstützen. Also haben wir in unserer Komitee-Besprechung gemeinsam alle offenen Punkte diskutiert und die nächsten Schritte geplant. Das Komitee verteilt dann die Spendengelder an die Kinder im Dorf. So werden jährlich bis zu 470 Kinder unterstützt und können die Schule besuchen. Und das allein mit 50 Patenschaften, die wir bisher vermittelt haben.

Auch wenn mir jedes einzelne unserer Patenkinder sehr ans Herz gewachsen ist, hatte ich während meiner Reise ein kleines, persönliches Highlight: Ich habe endlich mein Patenkind, den etwa 10-jährigen Ataloy, kennenlernen dürfen. (In Äthiopien lässt sich das genaue Alter nicht bestimmen, weil es keinerlei offizielle Aufzeichnungen über die Geburten gibt.) Es war ein ganz besonderer Moment für mich, mit Ataloy über sein Leben, seine Familie, seine Hobbies und Ziele zu sprechen und einen Teil seiner Familie kennenzulernen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich sein Leben weiter entwickeln wird und freue mich, dass er nun ein Teil von meinem ist.

Im Apri 2016 sind Mitglieder von HAMBURGER*MIT HERZ in das äthiopische Patendorf gereist.
Neben Reparaturen an Solarlampen und der Übergabe von Spendengelder an das Dorf-Komitee wurde eine Dokumentation gedreht. Einen Tag begleiten wir das junge Mädchen Emebet bei ihrem Alltag in Mekerie.
Die Dokumentation vermittelt authentische Einblicke in die Wohnsituation bei der Mutter, das Schulleben und die Lebensweisen im Dorf.

Ein Film von Maik Lüdemann